Reife Kirschen am Baum

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Radiokolleg

Muss Neid negativ sein? (3)

Von den Kirschen in Nachbars Garten

In der Mythologie und der Religion gibt es eine Vielzahl von Geschichten über Neid und Gier: Adam und Eva wurden - weil sie gottgleich sein wollten - aus dem Paradies vertrieben, zwischen Kain und Abel entstand ein Konkurrenzkampf, bei dem es darum ging, wer vom Vater mehr geliebt wird und Seth beneidete Osiris auch wegen dem Erbe und der Verantwortung, die er übertragen bekommen hat. Judas Iskariot bekam 30 Silberstücke für die Auslieferung von Jesus von Nazareth - neben Aufmerksamkeit und Anerkennung spielte Neid eine Hauptrolle. Im christlichen Glauben ist Neid negativ besetzt und soll auch nicht durch Prahlerei bei Mitmenschen ausgelöst werden - als wäre Neid eine ansteckende Krankheit. In dem Gemälde "Die sieben Todsünden" aus dem Jahr 1933 reiht der Maler Otto Dix die gierige Völlerei, den hochnäsigen Hochmut, die lüsterne Wollust, den zotteligen Zorn und die todesähnliche Trägheit auf - angeführt wird der Karnevalszug aber von einer fix starrenden, buckeligen Hexe auf deren Rücken sich ein Gnom mit blondem Haar und Maske vor dem Gesicht festkrallt: Gier und Neid. Otto Dix hat übrigens der Personifizierung des Neids 1945 ein Hitlerbärtchen auf der Maske verpasst.

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