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Radiokolleg
Muss Neid negativ sein? (4)
Von der politischen Dimension
17. April 2025, 09:05
Ohne den Neid auf den Vogelflug hätte der Mensch keine Flugzeuge erfunden. Im Sport und in der Bildung ist Ehrgeiz eine positive Form von Missgunst. Eine aktivierende Formel könnte dabei sein: "Ich gönne es anderen, möchte mir und anderen aber beweisen, dass ich es auch kann - vielleicht sogar besser". Im Politischen kann Neid ein Antrieb sein, um Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und Veränderungen voranzutreiben. Der Kapitalismus in seiner neoliberalen Form, baut auf Neid und Gier auf und der Populismus verwendet das negative Begehren als Antrieb: Gegenwärtig erleben wir eine Situation in dem Asylwerber und Migranten wegen institutioneller Sozialleistungen beneidet werden - dahinter steckt die berechtigte Angst, selbst übersehen und benachteiligt zu werden.
Anderseits beneiden religiöse Fanatiker mit terroristischen Motiven das freie und glückliche Leben, dass sie sich nach einer anstrengenden Fluchtgeschichte erwartet haben. Weil das auf Anhieb aber nicht erreicht werden kann, was versprochen wurde, steigt der Zorn. Ein uraltes Muster dreht sich im Kreis: Was ich nicht bekommen kann, muss abgeschoben, zurückgeschickt oder - vielleicht auch mit Einsatz des eigenen Lebens - zerstört werden. Der Ausweg aus dieser Misere steckt in der Fähigkeit andere Menschen bewundern und dankbar sein zu können, also in der eigenen Akzeptanz und psychischen Bewältigung des Neids und der Gier. Gleiche Chancen für alle durch reizvolle Angebote, wären ein politisches Lösungsszenario.