Ein Österreichischer Reisepass

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Radiokolleg Spezial

Wie Österreich neu formiert wurde (6)

Nationbuilding - Wer gehört dazu?

In einer aktuellen Studie über die Geschichtsbilder zur Zweiten Republik stimmen rund acht von zehn Befragten "sehr" zu, dass es gut ist, "dass Österreich 1945 eine demokratische Republik wurde". Rund 9 von 10 sehen Österreich als "Land mit hoher Lebensqualität". "In welchem Land wollen wir leben?", fragte der Bundespräsident in seiner Neujahrsansprache 2025, die er wie gewohnt, an alle "Österreicherinnen und Österreicher und alle Menschen, die hier leben" richtete. In der sechsten Folge dieser Radiokollegreihe geht es um Verbundenheit und Abgrenzungen. Denn Nationbuilding ist ein Prozess, der permanent im Gange ist.

Ein exemplarisches Stück österreichischer Familiengeschichte
Staaten verleihen die Staatsbürgerschaft nach von ihnen festgelegten Gesetzen. Jakob Steiner, geboren in Schweden und aufgewachsen in Wien, hat eine sehr altösterreichische und zugleich moderne Migrationsgeschichte. Dass er die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten könnte, ermöglichen seine Großmutter, die in Brünn geboren wurde und sein Großvater, der nach den Nürnberger Rassegesetzen als Volljude eingestuft wurde und in die Schweiz floh.
Gestaltung: Ute Maurnböck

Die "Piefkes" und "wir"
Die Nationswerdung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich vor allem in der Abgrenzung von Deutschland. Die Verantwortung für den Nationalsozialismus überließ man gern den nördlichen Nachbarn. Das, was Friedrich Heer später den "Kampf um die österreichische Identität" genannt hat, war ein Gemisch aus Habsburger-Nostalgie und dem Rekurs auf die Traditionen katholisch-barocker Sinnenfreude. Zentral in der nationalen Selbstvergewisserung Österreichs nach 1945 war aber vor allem die Abgrenzung von den "Piefkes".
Gestaltung: Günter Kaindlstorfer

Österreich - Vielvölkerstaat
Das Gebiet des heutigen Österreich war Durchzugsgebiet, Vielvölkerterritorium, Migrationsland. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Bevölkerungszusammensetzung nie statisch, sondern immer in Veränderung war: Wie ging und wie geht Österreich mit all den komplexen Begleitumständen, die ein Vielvölkergemisch mit sich bringen, um? Ute Maurnböck im Gespräch mit Börries Kuzmany, Osteuropa-Historiker, über die Rolle von Minderheiten und Zugewanderten im Prozess des Nationbuildings.
Gestaltung: Ute Maurnböck

Österreich im Umbruch. Wer wir heute sind
So unterschiedlich die Gegebenheiten zwischen dem Bodensee im Westen und dem Neusiedlersee im Osten sein mögen, einige Entwicklungen prägen ganz Österreich ähnlich: Der Wandel zur Migrationsgesellschaft, auch innerösterreichisch, die Überalterung, das Stadt-Land-Gefälle. Damit gehen gesellschaftspolitische Fragen einher, allen voran jene, wer wir heute sind und sein wollen. Zweifel daran, ob Österreich als eigenständiger, kleiner Staat funktionieren wird können, sind längst vergangen. So gesehen, ist das österreichische Nationbuilding ein Erfolg, bleibt aber auch ein fortlaufender Prozess.
Gestaltung: Tanja Malle

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