Gedanken

Die Autorin Amira Ben Saoud

Über Erinnerung, Identität und die Grenzen der Wirklichkeit

Amira Ben Saoud, geboren 1989 in Waidhofen an der Thaya, hat sich als ehemalige Chefredakteurin des Popkulturmagazins The Gap sowie als Kulturjournalistin beim Standard einen Namen gemacht. Dort schrieb sie unter anderem die Kolumne "Okay, Boomer" und beschäftigte sich intensiv mit Literatur, Musik und gesellschaftlichen Entwicklungen. Nun legt sie mit Schweben ihren ersten Roman vor - ein atmosphärisch dichtes Werk, das Fragen nach Identität, Erinnerung und der Beschaffenheit unserer Wirklichkeit aufwirft.

Schon früh interessierte sich Ben Saoud für Literatur und Popkultur. Später fand sie ihren Weg in den Journalismus, doch der Wunsch, Geschichten jenseits der Faktenwelt zu erzählen, blieb bestehen. "Man schreibt für sich, scheitert und zweifelt dabei die ganze Zeit - einen Boost fürs Selbstbewusstsein kann man anders sicher einfacher haben. Die Hoffnung kann nur sein, eine Leser:innenschaft zu erreichen bzw. sich zu erschließen, der das, was man schreibt, etwas bedeutet", so Amira Ben Saoud in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten. 2021 erhielt sie das Hans-Weigel-Literaturstipendium - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum eigenen Roman.

Ihr Debüt spielt nun in einer abgeschotteten Welt nach einer Klimakatastrophe, in der die Menschen in isolierten Siedlungen leben. Die Protagonistin verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie in die Identität verstorbener oder verschwundener Frauen schlüpft - eine Dienstleistung für Hinterbliebene, die sich mit dem Verlust nicht abfinden können. Doch was bleibt von der eigenen Identität, wenn man immer wieder in fremde Leben eintaucht? Und was sagt dieser titelgebende Schwebezustand über unsere Gesellschaft aus? "Man kann das sehr positiv sehen, als sich über die Dinge erheben oder eine Art von Befreiung. Oder aber man kann das sehr negativ lesen, als Unsicherheit", so Amira Ben Saoud über "Schweben".

Die Autorin kreiert mit ihrem Debütroman eine Welt, in der physikalische Gesetze ins Kippen geraten und Realität und Fiktion verschwimmen.

In den Gedanken erzählt Amira Ben Saoud von ihrem Weg zur Literatur, von der Rolle von Erinnerung, von Verlust und Identität - und davon, wie es dem magischen Realismus gelingt, Grenzen zu überwinden.

Service

Amira Ben Saoud: Schweben. Zsolnay Verlag
Lesung & Buchpräsentation Alte Schmiede am 13.5. & Literaturhaus Linz 15.05.

Sendereihe

Gestaltung

  • Julia Baschiera