Fritz Wotruba

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Gedanken für den Tag

Fritz Wotruba und die neue Zeit

Martina Pippal, Kunsthistorikerin und Künstlerin, zum Todestag von Fritz Wotruba und Le Corbusier

Es ist ein "Topos" in Biografien, dass dem progressiven Schaffen der Künstler:innen eine konservative, verständnislose, ja feindselige Gesellschaft gegenübersteht. Auf die Situation in Wien nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in die Fritz Wotruba 1945 aus der Schweiz zurückkehrte, trifft diese Beschreibung freilich tatsächlich zu.

Die vom NS-Propagandaministerium organisierte Wander-Ausstellung "Entartete Kunst", 1938 in Wien, hatte die Bevölkerung indoktriniert. Expressionistische, surrealistische und dadaistische Werke waren dort chaotisch gehängt, Schmähsprüche groß an die Wand gemalt worden. Der Grundtenor war: Sowas machen nur Verrückte!

Als Fritz Wotruba 1945 nach Wien zurückkam, war die Tinte in den Federn der regimetreuen Kommentatoren noch nicht trocken. Das Farbband noch nicht aus ihren Schreibmaschinen gezogen. Wenn Wotruba 1947, einen großen Schritt zu einem sehr persönlichen Kubismus vollzog, machte er sich zum Proponenten einer Stilsprache, die gerade noch als Gebrabbel von Irren abgetan worden war. Es dauerte noch Jahre, bis in den Redaktionen der Tageszeitungen - auf Initiative der Alliierten - Journalisten nachrückten, die offen für das Neue waren.

Aber es gab auch einen Herbert Boeckl, der - als Rektor der Akademie der bildenden Künste - Fritz Wotruba 1945 nach Wien berufen und mit der Leitung der Meisterklasse für Bildhauerei betraut hatte. Es gab den kommunistischen Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka: 1948 erhielt Wotruba den Preis der Stadt Wien. Joseph Hoffmann, 1948 österreichischer Kommissar der Biennale in Venedig, stellte im österreichischen Pavillon ausschließlich Werke von Egon Schiele und Fritz Wotruba aus! Wotruba befand sich in einer komplexen Gemengelage von neuen Möglichkeiten als Akademieprofessor, Anerkennung und Ablehnung. Darin hat er sich als dominante, ja kämpferische Persönlichkeit behauptet. Zum Opfer seines Umfeldes stilisiert zu werden, hätte er sich sicherlich verboten.

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Richard Priessnitz
Album: Sampler Archivbänder, CD 22
Titel: Studio J (Jump)
Ausführende: Rhythmische Sieben
Länge: 01:45 min
Label: CD KOPIE unbekannt

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