Bettwanze

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Punkt eins

Bettwanzen bekämpfen

Möglichkeiten und Herausforderungen der Schädlingsbekämpfung im Fokus.
Gäste: Priv.-Doz. Dr. Georg Duscher, Parasitologe, AGES - Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze & Peter Fiedler, Schädlingsbekämpfungsmeister, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, Berufszweigvorsitzender Landesinnung Wien, Geschäftsführer der ASSA Objektservice. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

"Tod durch Bettwanzen-Gift" - eine Hamburger Familie starb im Urlaub in Istanbul, weil sie durch ein Schädlingsbekämpfungsmittel in ihrem Hotel vergiftet worden war. Entsprechende Medienberichte bestätigte die Istanbuler Staatsanwaltschaft am Donnerstag offiziell. Um welches Gift es sich handelte, teilte die Behörde allerdings nicht mit; aber sie gab bekannt, dass die Firma ohne Genehmigung arbeitete; ein festgenommener Schädlingsbekämpfer soll laut türkischen Medien keine Zertifizierung haben.

Wie gefährlich sind die Mittel, mit denen Bettwanzen bekämpft werden und wie wird eine Bekämpfung durchgeführt? Wo kommen Bettwanzen vor und wie kann man ihre Spuren erkennen? Was weiß man über die Insekten? Ist ihr Vormarsch so dramatisch, wie oft geschildert?

Wenn man sich abends ins Hotelbett legt, ist die Wanze vielleicht schon dort: etwa 5mm groß versteckt sie sich in jeder noch so kleinen Ritze. Auf Blut als einzige Nahrungsquelle spezialisiert, ernährt sich die Bettwanze hauptsächlich von Menschen. Ihr Biss verursacht bei dem einen juckende Pusteln, ein anderer bleibt symptomlos. "Die Hautreaktionen lassen keine Diagnose zu", liest man in einem Ratgeber des deutschen Umweltbundesamtes. Dass Bettwanzen wie Zecken oder Mücken Krankheitserreger übertragen, ist zum jetzigen Zeitpunkt wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen.

Das ist auch der Grund, warum die Tiere in Österreich weder bekämpfungspflichtig noch meldepflichtig sind, sie sind Lästlinge, weshalb man genau genommen nichts über ihre Verbreitung weiß. Wenn es also wieder einmal heißt, die Bettwanzen sind auf dem Vormarsch, gilt es zweierlei zu bedenken: Bettwanzen waren immer heimisch, sie sind typische Kulturfolger, und sie waren immer ein Tabu, kaum jemand spricht offen darüber. Doch mittels DDT wurden sie im 20. Jahrhundert stark zurückgedrängt. DDT allerdings hatte dramatisch negative Auswirkungen auf die Mitwelt ebenso wie auf die menschliche Gesundheit - nur Bettwanzen wurden dagegen resistent - und wurde vor über 40 Jahren in den meisten europäischen Ländern verboten.

Heute rückt man Bettwanzen mit einer Kombination verschiedenster Mittel und Methoden zu Leibe, mit Insektiziden, Hitze und Kälte, Sprays, Pulvern und mechanischen und physikalischen Barrieren, ein höchst aufwendiges Procedere. Die eingesetzten Produkte durchlaufen ein strenges EU-Zulassungsverfahren. Von Hausmitteln und im Internet frei verkäuflichen Produkten wird dringend abgeraten, "ein Bettwanzenbefall kann nur durch einen professionellen Schädlingsbekämpfer erfolgreich beseitigt werden", heißt es im Umweltbundesamt-Ratgeber. Denn bei Bettwanzen muss jedes Insekt vernichtet werden. Bis zum letzten Ei. Resistenzen gegen Insektizide sind dabei eine große Herausforderung. Die international engagierte Bettwanzen-Stiftung arbeitet an einem offeneren Umgang mit dem Thema, denn die Unwissenheit in der Bevölkerung verhindere ihre wirksame Bekämpfung und das Stigma belastet die Betroffenen sehr.

Bettwanzen gelten seit der Antike als Symbol für Schmutz und unhygienische Verhältnisse - zu Unrecht. Dem heutigen Reiseverhalten, der Globalisierung, dem Handel, den Resistenzen etc. ist es geschuldet, dass Bettwanzen sich verbreiten und im Luxushotel ebenso finden wie im Apartment, der Schutzhütte, dem Nachtzug oder in den eigenen vier Wänden. Und ein Tier reicht aus, um im eigenen Haushalt einen Befall zu verursachen.

Wie kann man Bettwanzen aufspüren? Wie verbreiten sie sich und wie kann man einem Befall vorbeugen? Was ist zu tun, wenn man ihre Spuren entdeckt? Was ist wichtig für eine erfolgreiche Bekämpfung?

In Punkt eins klären der Parasitologe Georg Duscher und der Schädlingsbekämpfer Peter Fiedler diese und Ihre Fragen auf: Wie immer sind Sie eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen. Kostenlos aus ganz Österreich können Sie uns unter 0800 22 69 79 erreichen; oder Sie schreiben uns ein Mail an punkteins(at)orf.at

Für ein paar Minuten nimmt telefonisch auch Dr. Carola Kuhn vom deutschen Umweltbundesamt an dem Gespräch teil. Das Umweltbundesamt ist in das Zulassungsverfahren von Biozidprodukten eingebunden; Frau Dr. Kuhn hat vielfältiges Infomaterial über Bettwanzen verfasst und forscht zu Resistenzen.

Sendereihe

Gestaltung

  • Barbara Zeithammer