Jane-Austen-Gemälde

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Gedanken für den Tag

Vernunft und Liebe

Brigitte Schwens-Harrant, Autorin und Feuilleton-Chefin der "Furche", zum 250. Geburtstag von Jane Austen

Jane Austen schrieb ihre Romane Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts in der gehobenen Mittelschicht Englands. Damals galt ein strenges Erbrecht. Es erbte der älteste Sohn. Das verhinderte eine Aufteilung des Besitzes. Weitere Söhne mussten sich selbst ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Töchter waren entweder verheiratet und dadurch versorgt - oder aber vom Goodwill ihrer Brüder abhängig. Sonst mussten sie sich als Gouvernanten oder Gesellschafterinnen in fremden Haushalten verdingen.

Als Jane Austens Vater 1805 starb, begannen für Jane, ihre ebenfalls unverheiratete Schwester Cassandra und die Mutter bange Fragen: Kommen wir mit dem Geld über die Runden? Die Brüder steuerten etwas bei.

Diese Situation von Frauen ist auch Thema in Austens Romanen. Ständig wird gezählt, ob das Geld reicht. Es wird auch viel geheiratet, doch die Frage "Vernunft oder Gefühl" ist virulent. Ist es nicht vernünftiger, zu heiraten, auch wenn man nicht liebt, um dadurch versorgt zu sein? Ist die Ehe wie bisher eine Sache der Familienpolitik - oder sollte die Ehe auch mit Liebe verbunden sein?

Jane Austen selbst entschied sich gegen die Ehe. In einem Brief im März 1817, vier Monate vor ihrem frühen Tod, riet Austen auch ihrer Nichte, auf den richtigen Mann zu warten. Sie schrieb: "Ledige Frauen haben einen schrecklichen Hang zur Armut, was ein überzeugendes Argument für die Ehe ist (.). Gut, ich werde sagen, was ich schon oft gesagt habe: Überstürze nichts. Verlass Dich darauf, am Ende kommt der Richtige; im Lauf der nächsten zwei, drei Jahre wirst Du jemandem begegnen, der in jeder Hinsicht untadeliger ist als alle, die Du bis dahin kennengelernt hast (.). Und weil Du mit dem Mutterwerden nicht ganz so früh im Leben begonnen hast, werden Dein Gemüt, Deine Lebensgeister, Dein Körper & Dein Gesicht noch jung sein (.)"

Service

Christian Grawe, "'Darling Jane'. Jane Austen - eine Biographie", Reclam
Jane Austen, "Liebste Freundin! Sämtliche Briefe", Manesse
Brigitte Schwens-Harrant, "Blümchen oder Die Spur des Geldes. Über Jane Austen". In: "Anton Thuswaldner (Hg.): 'GegenKanon. Bücher, die auf der Strecke bleiben, und solche, die auf der Strecke bleiben sollten'", Müry Salzmann
Jane Austen, "Lady Susan". Illustriert von Annabelle von Sperber. Insel-Bücherei
Jane Austen, "Emma. Stolz und Vorurteil. Verstand und Gefühl". Reclam
Jane Austen, "Pride and Prejudice". Insel Verlag


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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Patrick Doyle geb.1953
Vorlage: Jane Austen 1775 - 1817
Gesamttitel: SENSE AND SENSIBILITY / Original Filmmusik
Titel: A particular sum
Anderer Gesamttitel: SINN UND SINNLICHKEIT / Original Filmmusik
Orchester: Filmorchester
Leitung: Robert Ziegler
Länge: 01:15 min
Label: Sony Classical SK 62258

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