Jane-Austen-Gemälde

AFP/STAN HONDA

Gedanken für den Tag

Lust am Unfug

Brigitte Schwens-Harrant, Autorin und Feuilleton-Chefin der "Furche", zum 250. Geburtstag von Jane Austen

Vier Romane hat Jane Austen bereits veröffentlicht und damit auch Erfolg gehabt, als ihr 1816 angeraten wird, einen fürstlichen historischen Liebesroman zu schreiben.

Ihre Antwort auf diesen Vorschlag ist deutlich. Sie lehnt ab. Sie schreibt: "Es ist sehr, sehr freundlich von Ihnen, mir anzudeuten, durch welche Art von Schriftwerk ich mich derzeit empfehlen würde, & ich bin mir durchaus bewusst, dass mir ein historischer Roman, der sich mit dem Haus Sachsen-Coburg befasst, weit mehr Reichtum oder Ruhm verschaffen würde als die Bilder vom Familienleben auf dem Land, mit denen ich mich beschäftige."

Aber nur um ihr Leben zu retten, schreibt sie weiter, "würde ich mich ernsthaft daranmachen, einen ernsten Roman zu verfassen, & wenn ich dann unbedingt weiterschreiben müsste & niemals zur Erholung über mich selbst oder andere Menschen lachen dürfte, hinge ich bestimmt am nächsten Galgen, bevor ich auch nur das erste Kapitel beendet hätte. Nein, ich muss bei meinem Stil bleiben & auf meine Weise weiterschreiben."

Die Frauenromane ihrer Zeit sollten jungen Frauen mögliche Gefahren und zugleich die Tugenden vorführen, mit denen man diesen widerstehen kann. Literatur als pädagogisches Mittel also. Austen greift die Tradition der Romane zwar auf, aber ihre Frauen sind keine Verkörperungen der gewünschten Tugenden. "Verkörperungen von Vollkommenheit machen mich, wie Du weißt, im Roman krank und bösartig", schreibt sie in einem Brief an eine Nichte.

Da denkt man doch an Austens Roman "Die Abtei von Northanger". Die Hauptfigur wird gleich zu Beginn bereits als Kind so charakterisiert: "Nein, nach dem Garten stand ihr der Sinn ganz und gar nicht, und wenn sie überhaupt Blumen pflückte, so nur aus Lust am Unfug - zumindest schloss man das aus ihrer Vorliebe, immer jene Blumen zu nehmen, die sie nicht nehmen durfte."

Service

Christian Grawe, "'Darling Jane'. Jane Austen - eine Biographie", Reclam
Jane Austen, "Liebste Freundin! Sämtliche Briefe", Manesse
Jane Austen, "Northanger Abbey". Aus dem Engl. von Andrea Ott, Manesse
Brigitte Schwens-Harrant, "Blümchen oder Die Spur des Geldes. Über Jane Austen". In: "Anton Thuswaldner (Hg.): 'GegenKanon. Bücher, die auf der Strecke bleiben, und solche, die auf der Strecke bleiben sollten'", Müry Salzmann
Jane Austen, "Lady Susan". Illustriert von Annabelle von Sperber. Insel-Bücherei
Jane Austen, "Emma. Stolz und Vorurteil. Verstand und Gefühl". Reclam
Jane Austen, "Pride and Prejudice". Insel Verlag

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Dario Marianelli geb.1963
Bearbeiter/Bearbeiterin: Benjamin Wallfisch
Vorlage: Jane Austen 1775 - 1817
Gesamttitel: PRIDE & PREJUDICE / Original Filmmusik
Titel: Meryton Townhall
AND
Anderer Gesamttitel: STOLZ UND VORURTEIL / Original Filmmusik
Untertitel: MUSIC FROM THE MOTION PICTURE
Orchester: English Chamber Orchestra
Leitung: Benjamin Wallfisch
Länge: 01:12 min
Label: UCJ/Universal 4763088

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