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Gedanken für den Tag
Weihnachten als Mitkommen
Gedanken zum Weihnachtsfest von Johannes Freitag, katholischer Weihbischof in der Steiermark
27. Dezember 2025, 06:57
Die Hirten von Betlehem gehören zu den stillsten und zugleich bewegendsten Gestalten der Weihnachtsgeschichte. Menschen, die mitten in der Nacht erschrecken, weil etwas in ihr gewohntes Leben hineinruft. Menschen, die mit leeren Händen dastehen, müde, aber aufgeregt, vorsichtig und gleichzeitig mutig; vom Alltag gezeichnet und dennoch hoffnungsvoll.
Sie hören eine Botschaft, die sie nicht einordnen können. Angst und Staunen liegen eng beieinander. Und doch spüren sie: Wir müssen uns aufmachen. Nicht weil sie alles verstehen, was da geschieht, sondern weil sie sich vom Ruf der frohen Botschaft führen lassen.
Vielleicht berühren mich die Hirten deshalb so tief, weil ich in ihnen etwas von meinem eigenen Weg wiederfinde. Auch in meinem Leben gibt es Nächte, in denen der Horizont eng und in denen das Herz wie ein müder Wanderer am Wegrand sitzt. Und doch, wenn ich genau hinhöre, regt sich in mir ein leiser Klang, ein feines Aufleuchten, fast wie ein Funke unter der Asche: "Komm und sieh auf. Da vorne ist ein Licht, das dich meint." Dieses kleine Licht, das sich nicht aufdrängt und doch nicht verlöscht, ist es, das die Hirten damals aufbrechen ließ. Und vielleicht ist es auch das Licht, das mir heute die Richtung weist, nicht mit großen Gesten, sondern mit dem stillen Mut, den nächsten Schritt zu wagen, so unscheinbar er auch sein mag.
Weihnachten lädt uns Menschen ein, so wie die Hirten aufzubrechen: nicht bis ins Letzte vorbereitet, sondern einfach offen für das, was kommt. Ein einziger Schritt reichte damals: hin zur Krippe, hin zu dem Licht, das den Blick verändert. Mitkommen heißt auch heute: Ich lasse mich rufen, auch wenn mich nicht alles immer mit Sicherheit umgibt. Ich wage es, Vertrauen zu fassen. Ich öffne mein Herz für das, was guttut und mich stärkt. Und wenn ich diesen Schritt wage, entdecke ich vielleicht wie die Hirten: Das Wunder von Weihnachten ist nicht nur eine Geschichte, es ist eine Begegnung mit dem Geheimnis, das zum Mitkommen einlädt. Manchmal genügt ein einziger Schritt.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Loreena McKennitt
Album: THE WIND THAT SHAKES THE BARLEY
Titel: The emigration tunes/instr.
Solist/Solistin: Loreena McKennitt
Länge: 01:00 min
Label: Quinlan Road/edel 114QRCD
