PICTUREDESK.COM/DPA/HORST OSSINGER
Gedanken für den Tag
Lebenskünstlerin und Ikone
Lilian Klebow, Schauspielerin, zum 100. Geburtstag von Hildegard Knef
29. Dezember 2025, 06:57
Hildegard Knefs Augen zählen zu einer meiner ersten Kindheitserinnerungen. Und dieser Abend, "Illusionen - 100 Jahre Hildegard Knef" ist natürlich wegen dem großen 100. der Knef entstanden, aber eigentlich wegen dieser Erinnerungen. Wegen meiner Oma.
Seit ich mich also erinnern kann, und das müsste so mit circa fünf bis sechs Jahren der Fall gewesen sein - wir befinden uns also im Jahre 1982 oder 1983 -, haben mich ihre Augen fasziniert. Ich wusste nicht genau warum, konnte den Blick aber nie abwenden. Sie waren irgendwie wild. Tief. Warm. Klug. Frech. Liebevoll. Ein bisschen düster vielleicht? So ein faszinierendes "piratinnendüster" Aber auch sehr weise waren sie, diese Knef-Augen.
Eine weitere Umdrehung, um mich selbst herum. Das Zimmer verschwamm. Dann fand ich sie wieder, die großen, starken Augen unter dem weißen Hut, der irgendwie verwegen, fast an einen Westernhelden erinnernd, ins Gesicht hing. Ich drehte mich auf dem viereckigen braunen Lederdrehhocker mit Knopfbesatz immer wieder im Kreis. Im Wohnzimmer meiner Oma Hilde. Ja, sie hieß auch so: Hilde. Hildegard. Klebow. Zwei Hilde Ks. Ich las den Namen auf dem Plattencover immer wieder: KNEF. In verschnörkelter Schrift.
Meine Oma hörte immer Schallplatten im Wohnzimmer, oder Radio im zweiten beheizten Raum der Wohnung, der Küche, in der Rudi-Seibold-Straße in München. (Rudi Seibold war übrigens ein österreichischer Schauspieler, in Wien Schrammel- und in München Operettensänger - war vielleicht ein bisschen "prophetisch" für meinen Weg nach Wien? Naja, was weiß man damals schon?) Wenn auch heute hier im Herzen von Wien zu Hause, bin ich ja so wenig eine gebürtige Wienerin, wie die Knef, als geborene Schwäbin, Ulmerin, eine gebürtige Berlinerin. Aber mein Name, meine Familie stammt aus Pommern und Berlin. Weiß ich heute. Verwurzelt mich durch Oma und die Familienchronik auch tief in der Knef'schen Geschichte.
In dieser Küche hörte ich also zum ersten Mal auch "Für mich soll's rote Rosen regnen" aus dem Radio. "Das ist mein Lieblingslied. Von meiner Lieblingssängerin", sagte meine Oma und ich bekam das Beste: Omas Reiberdatschi mit Apfelmus mit Knef. Es gab noch viel Reiberdatschi mit Knefliedern. Kindheitserinnerungen.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Hans Hammerschmid
Komponist/Komponistin: Hildegard Knef
Album: IDOLE / HILDEGARD KNEF
Titel: Ich bin den weiten Weg gegangen
Solist/Solistin: Hildegard Knef
Länge: 03:38 min
Label: Polyphon 816 879-2
