Nikos Christodoulides

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Punkt eins

Zypern: Ratspräsidentschaft eines geteilten Landes

Zyperns internationale Rolle und innenpolitische Perspektiven. Gäste: Prof. Dr. Hubert Faustmann, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Nikosia;
Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Geografisch liegt Zypern näher am Nahen Osten als an der Europäischen Union: Die Küste Syriens ist rund 100 km entfernt, Israel rund 200 km, die griechischen Inseln 400 km. Politisch rückte es mit 1. Jänner allerdings ins Zentrum Europas, indem es turnusmäßig von Dänemark den EU-Ratsvorsitz übernahm. Im kommenden Halbjahr wird damit der drittkleinste Mitgliedsstaat zentrale Schwerpunkte in der europäischen Politik setzen und weiterführen. Nikos Christodoulides, Präsident der Republik Zypern, will die strategische Position der EU stärken. Er spricht von Autonomie, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit als wichtigste Ziele. Zudem möchte der Diplomat und ehemalige Außenminister die internationalen Beziehungen und Handelspartnerschaften mit den Nachbarstaaten am Mittelmeer vertiefen. Für April ist ein informeller EU-Gipfel geplant, zu dem auch die Türkei eingeladen werden soll.

Ob eine Zusammenarbeit mit der Türkei gelingen kann, ist jedoch fraglich. Als Zypern 2012 zuletzt den Ratsvorsitz inne hatte, boykottierte die Türkei Gespräche mit der EU. Seit über fünfzig Jahren ist Zypern geteilt: in die mehrheitlich griechischsprachige Republik Zypern im Süden und die Türkische Republik Nordzypern, die sich 1983 für unabhängig erklärte, aber nur von der Türkei anerkannt wird. 1974 hatte die griechische Militärjunta einen Putsch gegen den zyprischen Präsidenten unterstützt, und wollte so eine Vereinigung mit Griechenland erzwingen. Daraufhin entsandte die Türkei das Militär und besetzte den Nordteil der Insel, wo sie bis heute mit rund 30 000 Soldaten präsent ist. Ein Waffenstillstandsabkommen wird von der UN-Friedenstruppe UNFICYP überwacht. Eine 180 Kilometer lange Pufferzone, die "Grüne Linie", verläuft quer über die Insel und durch die Hauptstadt Nikosia. Verhandlungen zwischen dem Norden und dem Süden scheiterten immer wieder.

Umso hoffnungsvoller wirkte ein Treffen zwischen Nikos Christodoulides und Tufan Erhürman, der im Oktober 2025 zum Präsidenten der Türkischen Republik Nordzypern gewählt wurde. Von einem Machtwechsel in Nordzypern war die Rede, sogar von einem politischen Umbruch. Der Sozialdemokrat Erhürman gilt als pro-europäisch und Verfechter eines wiedervereinigten Zyperns - anders als sein Vorgänger, Ersin Tatar, der dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahesteht und auf ganzer Linie mit der Türkei eine Zweistaaten-Lösung fordert.

Tufan Erhürman erhofft sich eine Annäherung Nordzyperns an die EU. Seit dem Beitritt 2004 ist zwar das gesamte Territorium Zyperns Teil der Europäischen Union, jedoch gilt EU-Recht nur im Süden. "Gegen den Willen der Türkei kann es keine Lösung in der Zypernfrage geben", betont Hubert Faustmann, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Nikosia. Nordzypern ist nicht zuletzt finanziell von der Türkei abhängig. Sowohl Christodoulides als auch Erhürman hatten sich zwar bereit erklärt Gespräche weiterzuführen. Fraglich sei jedoch, wie weit die jeweiligen Seiten gehen können. "Christodoulides wird von Parteien unterstützt, die eher eine Hardliner-Position vertreten", sagt Faustmann.

Wie stellt sich der Alltag der Menschen auf der geteilten Insel dar? Welche Erwartungen haben sie an die Politik und die EU? Welche Rolle spielt Zypern im Mittelmeer? Wie werden sich die internationalen Beziehungen Europas während des zyprischen Ratsvorsitzes entwickeln? Über diese und weitere Fragen spricht Marina Wetzlmaier mit Hubert Faustmann und Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 (kostenfrei innerhalb Österreichs) oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at.

Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Roland Kramer, Gerald Endstrasser, Martin Gasselsberger
Titel: Watch the Children Play (davon 19 Sek. unterlegt)
Ausführende: MG3
Länge: 04:50 min
Label: ATS Records

Komponist/Komponistin: Roland Kramer, Gerald Endstrasser, Martin Gasselsberger
Titel: Your Way (davon 11 Sek. unterlegt)
Ausführende: MG3
Länge: 04:22 min
Label: ATS Records

Komponist/Komponistin: Roland Kramer, Gerald Endstrasser, Martin Gasselsberger
Titel: Flowing 7 (davon 41 Sek. unterlegt)
Ausführende: MG3
Länge: 04:30 min
Label: ATS Records

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