Sound Art: Kunst zum Hören
"über Inspirationsfunkenquellen" von Chris Janka
"über Inspirationsfunkenquellen" von Chris Janka
8. Jänner 2026, 23:03
Ö1 Kunst zum Hören ist beim Musiker, Künstler, Tontechniker und Instrument-Erfinder Chris Janka zu Besuch und präsentiert seine "Inspirationsfunkenquellen". Diesen Übertitel hat er für diese Sendung ausgesucht, ein Aufhänger, um einige seiner Klangerzeuger und inspirierende Quellen vorzustellen. Chris Janka arbeitet in einem über gut drei Jahrzehnte gewachsenen Atelier mit Werkstatt, Proberäumen, analogen Tonstudios, digitalen Tools und einem Fundus an Musikinstrumenten, selbstgebauten Klangerzeugern, Mischpulten in einem Souterrain in Wien-Neubau.
Zu seinen Inspirationsquellen zählt unter anderem die Pionierin elektronischer Musik Wendy Carlos. 1939 in Rhode Island geboren, hat Wendy Carlos in den 1960er Jahren an der Entwicklung des Moog mitgearbeitet, des legendären ersten Synthesizers. 1968 veröffentlichte sie mit "Switch-on Bach" das erste ohne Orchester, sondern elektronisch eingespielte Klassikalbum, das ein Markt-Erfolg mit Grammy-Auszeichnungen wurde. Einen Namen gemacht hat sie sich auch mit Soundtracks zu den Filmen "A Clockwork Orange" und "Shining". Für Chris Janka ist Carlos' experimentelle Platte "Beauty in the Beast" von herausragender Bedeutung: "Als ich über das Album stolperte, war ich sofort fasziniert von ihrer Idee, für jeden Song ein anderes Stimmsystem zu entwickeln! Microtonalität war mir schon lange geläufig, und ich spiele auch des öfteren bei der Band Blueblut auf einer in 1/4 Tönen gestimmten Gitarre. Diese Konzepte beruhen aber meist auf einem Stimmsystem mit Oktaven als Grundkonzept, das heißt es gibt immer eine verdoppelte Tonhöhe für jeden Ton, und der Platz zwischen den Oktaven ist je nach Stimmsystem unterteilt, wie bei unserem wohltemperiertem System, in zwölf gleich große Teile. Dadurch kann man mit demselben Stimmsystem verschiedenste Tonleitern spielen. Allerdings nur mit Kompromissen. Zum Beispiel die Quinte (fünfter Ton der Tonleiter) und auch andere Tonverhältnisse sind in ihrem Tonverhältnis mathematisch, und somit auch für das Ohr nicht rein. Wendy Carlos' Alpha Tuning versucht einen anderen Kompromiss: Beim Alpha Tuning sind die Quinten rein, dafür gibt es aber keine Oktave! Das ergibt ein völlig anderes Tonsystem, das darauf verzichtet im eigenen System einen doppelt so hohen Ton zu erzeugen. Ich habe eine Gitarre auf das Alpha Tuning umgebaut, alle 78 Cent gibt es einen Ton (Cent ist eine logarithmische, microtonale Tonhöhenunterscheidung, bei der wohltemperierten Stimmung gibt es alle 100 Cent einen Ton). Plötzlich war meine E-Gitarre ein völlig anderes Instrument, es fühlte sich so an, als müsste ich plötzlich Saxophon spielen, so unterschiedlich war der erste Eindruck."
Vier für die Wendy-Carlos-Gitarre komponierte Songs hat Chris Janka für Kunst zum Hören eingespielt, und in die Gitarrenklänge mischt sich der Funkenflug des Sparklyfiers. Dieses von Janka gebaute Funken-Instrument transformiert das Audiosignal der Gitarrenklänge auf 20.000 Volt hinauf und macht so den Funken hörbar.
Service
Sendereihe
Gestaltung
- Anna Soucek
