Charlie-Hebdo-Redaktion mit Philippe Lançon

APA-IMAGES/AFP/JOEL SAGET

Tonspuren

Die Mächtigen im Auge behalten - und auslachen

Der Preis der Satire ist hoch: In Paris kostete er am 7. Jänner 2015 zwölf Menschen das Leben. Zehn Jahre nach dem Terroranschlag auf die Mitarbeiter der Zeitschrift "Charlie Hebdo" sprachen die "Tonspuren" mit Redakteurinnen und Redakteuren.

"Unsere Arbeit ist es, zu den Mächtigen zu recherchieren", sagt Jean-Michel Thénard, Chefredakteur des Satire- und Investigativ-Blattes "Canard". Den "Canard" gibt es seit 110 Jahren; optisch fast unverändert, hat die Wochenzeitung regelmäßig eine Menge Anrüchiges und handfeste Skandale in Frankreich aufgedeckt. Während des Erstes Weltkrieges als Gegengift gegen staatliche Durchhaltepropaganda gegründet, hält sich der "Canard" bis heute als eines der letzten unabhängigen Blätter - auch wenn wie kürzlich eine Schmutzkampagne aus den eigenen Reihen den untadeligen Ruf des Blattes fast dauerhaft beschädigt hätte. Da hilft es, wenn der "Canard" vorgesorgt hat: Das Redaktionsgebäude in bester Lage gehört der Zeitung.

Auch das Satireblatt "Charlie Hebdo" ist heute dank eines Spendenfonds und weltweiter Bekanntheit reich - doch am 7. Jänner 2015, kurz bevor zwei islamistische Terroristen in der Redaktion ein Blutbad anrichteten, "waren nicht viele Leute Charlie", wie sich Philippe Lançon in seiner Aufarbeitung der Ereignisse in seinem Buch "Der Fetzen" erinnert. Lançon, einer der Redakteure, hat die mörderische Schießerei mit zwölf Toten überlebt.

Charlie Hebdo, das waren talentierte Außenseiter, die keine Scheu vor derben, sexistischen oder sonstigen satirischen Zeichnungen hatten, auch nicht davor, die Mohammed-Karikaturen nachzudrucken. Vor dem Attentat war das Blatt mal wieder fast bankrott, danach machte die am Leben gebliebene Redaktion unbeirrt weiter und lancierte sogar eine deutschsprachige Ausgabe.

Luz zeichnete das Cover der ersten Ausgabe nach dem Attentat. Er hatte überlebt, weil er am 7. Jänner verschlafen hatte und zu spät in die Redaktion gekommen war - es war sein Geburtstag: "Manchmal sagt man sich, dass eine Zeichnung etwas bewirken kann. Ich glaube, ich habe ein paar gute Zeichnungen in Charlie gemacht", erzählt er bei einem seiner seltenen Auftritte, "ich weiß nicht, ob sie wirklich etwas verändert haben. Vielleicht hat ja die Zeichnung vom 14. Jänner 2015 etwas verändert, aber auf jeden Fall hat sie vielen Menschen Erleichterung verschafft."

Erleichterung, Befreiung durch Lachen. Das bietet in Österreich zum Beispiel auch Fritz Jergitsch, der Gründer des Online-Satiremediums Die Tagespresse: "Lachen ist für mich Bewältigungsmechanismus, mentaler Frühjahrsputz, ich find, Lachen hilft uns, mit der Tragik des Lebens zurechtzukommen." Das scheinen seine mittlerweile 18.000 Abonnent:innen unterschreiben zu können.

Die Mächtigen im Auge behalten - und auslachen
Feature von Alexander Musik
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