Stormtrooper, Star Wars

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Punkt eins

Das Imperium kehrt zurück?

Herrschaft durch Gewalt, die Macht des Stärkeren und die Konjunktur der Antike in der US-Politik. Gast: Dr. Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Das Recht des Stärkeren, Gewalt als Mittel der Politik, Fragen der Macht: Von Iran über Russland und die USA, China oder Ungarn ist von einem neuen Despotismus die Rede. Vor der Rückkehr und dem Aufstieg der Imperien wird gewarnt. Das Konzept des "Cäsarismus" soll den Wandel zu illiberalen Demokratien erklären, der "Cäsarenwahn" den Rest und rund um Trumps Amtsjubiläum blühen aktuell mehr denn je Vergleiche mit römischen Kaisern: Nero, Caligula, Cäsar? Mark Zuckerberg spricht Latein und schwärmt für Augustus.

Was hat das zu bedeuten? Wo gibt es Parallelen zur Antike und warum ist das Römische Reich gerade in den USA so gegenwärtig? Wie sind die Konzepte von Imperium, Despotie (Aristoteles) und Tyrannis heute einzuordnen? Was lehrt die Geschichte über Herrschaft und Gewalt und lernen wir daraus etwas für die Gegenwart?

"Imperien entstehen durch Gewalt, Eroberung, Versklavung - da will ich kein idealisiertes Bild zeichnen", sagt der deutsche Althistoriker und Autor Univ.-Prof. Michael Sommer. "Imperien sind stets Kreaturen von Chaos und Gewalt, die erst die Voraussetzungen für ihre Existenz schaffen".

Das Imperium - vor Star Wars war damit vielfach Rom gemeint und auch wenn es bis vor 30, 40 Jahren noch hieß, das "imperiale Zeitalter" wäre vorbei - die Gegenwart scheint das Gegenteil zu beweisen. Die "neoimperialen Mächte" China, Russland und die USA expandieren, stellen Gebietsansprüche und handeln nach dem Motto "man nimmt sich, was man kriegen kann" und sei es mit Gewalt und ohne Rücksicht auf allfällige Bündnisse, internationale Organisationen oder das Völkerrecht. Was im Falle von Diktaturen weniger überraschen mag. Militäranalysten und Expert:innen für Sicherheitspolitik greifen auf antike Schriften zurück (Thukydides' "Der Peloponnesische Krieg"), um zu verstehen, wie und warum Menschen Kriege führen, und sehen uns weltpolitisch ins 19. Jahrhundert zurückgeworfen, das Recht des Stärkeren gilt - heute allerdings mit Atomwaffen, Hyperschallraketen, Trollarmeen und KI-Desinformation. Doch um als Imperium Bestand zu haben, reicht das nicht, zeigt die Geschichte.

Denn weit spannender als die Frage nach dem Untergang des Römischen Imperiums, ist jene nach seinem Bestand und der, bei allen Kriegen, doch langen Zeit des Friedens, sagt Michael Sommer. Die Römer haben viel in ihr Militär investiert, aber "das Geheimnis der römischen Herrschaft hieß, wie schon Tacitus erkannte: Integration". Und: Bündnisse, Partnerschaften und Verlässlichkeit im Ernstfall.

Das Alte Rom war Projektionsfläche der Gründungsväter der Vereinigten Staaten, die US-Verfassung orientiert sich an der Römischen Republik, ihre "checks and balances" sollten Despotie verhindern. Später wurden die USA selbst zur Supermacht und als Welthegemon immer wieder mit dem Römischen Imperium verglichen. Die Frage, welchem römischen Herrscher der US-Präsident ähnelt, ist dort Standard, doch so gegenwärtig wie unter Trumps Amtszeiten war die Antike nie - allerdings in einer bedenklichen Umdeutung: Im Kern geht es um die Idee eines "Cäsars", der autoritär jenseits der Verfassung regieren müsse, die Republik zerstören müsse, um das Land vor dem vermeintlichen Untergang zu bewahren.

Julius Cäsar, faszinierende wie zwiespältige Figur, Totengräber der Republik, Diktator auf Lebenszeit - ist sein Zeitalter eine Blaupause für unsere Gegenwart und den Übergang von einer Republik zur Autokratie? Was lehrt die Geschichte über Populismus, Gewalt als Mittel der Politik und Weltordnungen im Wandel? Was bedeuten Trumps Anleihen bei der Antike, die Beschwörung des "Goldenen Zeitalters" (ein Konzept seit Augustus), die Vorliebe der MAGA-Bewegung für das Alte Rom - und seinen Untergang? Kann man Trumps Handeln mit Hilfe von Rückgriffen auf historische Persönlichkeiten erklären? Und welche Gefahren lauern auf der Spurensuche in der Geschichte?

Michael Sommer, seit seiner Kindheit ein Fan des Römischen Imperiums ("Erweckungserlebnis": Asterix), ist Professor für Alte Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Autor zahlreicher Bücher und Artikel, mit denen er Interesse für die Geschichte wecken möchte. Diese bietet reichlich Stoff für Geschichten (und Vergleiche!) und lehrt Vorsicht im Umgang mit Interpretationen.

Den Römern und Griechen haben wir zweifelsohne viel zu verdanken, aber auch eine Erklärung für gegenwärtige Herrscher und Systeme der Herrschaft?

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Service

Michael Sommer hat eine Reihe von Standardwerken zur römischen und phönizischen Geschichte vorgelegt. Seine zweibändige "Römische Geschichte" wurde von der Kritik sehr gelobt.

Sommer, Michael / von der Lahr, Stefan: Die verdammt blutige Geschichte der Antike. Ohne den ganzen langweiligen Kram. CH Beck, 2025

Mordsache Caesar. Die letzten Tage des Diktators. C.H. Beck, München 2024.
Volkstribun. Die Verführung der Massen und der Untergang der Römischen Republik. Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2023
Schwarze Tage. Roms Kriege gegen Karthago. C.H. Beck, München 2021.

Sendereihe

Gestaltung

  • Barbara Zeithammer