Punkt eins
Ein Lexikon der Welt als Mitmachprojekt
Wikipedia feiert 25. Geburtstag. Gäste: Martina Österreich, stellvertretende Obfrau und Vorstandsmitglied, Wikimedia Österreich & Prof. Dr. Erika Thomalla, Juniorprofessorin Buchwissenschaft / Digitale Buchkultur, Zentrum für Buchwissenschaft, Ludwig-Maximilians-Universität München. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
15. Jänner 2026, 13:00
Rund 250.000 aktive Wikipedianer:innen gibt es weltweit, 65 Millionen Artikel in mehr als 343 Sprachen - eine eindrucksvolle Bilanz zum 25-jährigen Geburtstag der größten freien Wissenssammlung der Welt. Ein gemeinnütziges Projekt, das dennoch von vielen Seiten attackiert wird. Und zwar nicht erst seit Elon Musk es als "Wokepedia" verunglimpft hat, als "politisch und ideologisch voreingenommen" und "von linksradikalen Aktivisten kontrolliert".
Eine der größten Gefahren für "Wikipedia" ist gerade seine freie Zugänglichkeit, denn bisher ist es nicht ausreichend gelungen, die KI-Sprachmodelle davon abzuhalten, Wikipedia-Inhalte als kostenloses Trainingsmaterial zu nutzen. Verständlich, dass sich so manche ehrenamtliche Wikipedianer die Frage stellen, wie sie zu der zweifelhaften Ehre kommen, die KI-Modelle milliardenschwerer Unternehmen wie Open AI oder Meta gratis zu füttern. Mit dem Ergebnis, dass das aufwändig von engagierten Nutzer:innen aufgearbeitete Wissen dann als (nicht immer korrekte) Zusammenfassung der KI ganz oben in den Suchmaschinen erscheint - denn immer weniger Nutzer:innen, so die Befürchtung, werden sich die Mühe machen, die Quellen dieser Zusammenfassung aufzusuchen.
Die deutschsprachige Wikipedia ist die zweitgrößte der Welt mit gut drei Millionen Artikeln; gut sieben Prozent der Bearbeitungen dieser Artikel stammen von österreichischen Autor:innen - so der entsprechende Wikipedia-Artikel. Wer sich die Mühe macht, die Diskussion nachzulesen, die die Entstehung jedes Artikels begleitet, bekommt einen aufschlussreichen Einblick in die Funktionsweise von Wikipedia: absolute Transparenz beim Ringen um die relevanteste Fassung eines jeden Sachverhalts. Wobei gilt, dass "Inhalte ausgewogen, neutral und allgemeinverständlich sein müssen, außerdem müssen wesentliche Aussagen mit einem reputablen Nachweis (Presseberichte, Literaturangaben etc.) belegt werden", so die Selbstverpflichtung.
So wie Wikipedia durch die Monetarisierung des digitalen Raums gefährdet ist, so hat das Internet die Nachfrage nach klassischen Lexika und Enzyklopädien einbrechen lassen. Was ist aus dem "Brockhaus", der "Encyclopedia Brittanica", dem "Larousse" oder "Meyers Konversationslexikon" geworden? Stilistisch oft herausragend, sind diese Leuchttürme des Wissens als Papierausgabe mittlerweile weitgehend verschwunden oder zum Liebhaber-Objekt mutiert. Ob sich diese Entwicklung wohl noch einmal umkehrt? Und wird Wikipedia den Bedrohungen durch KI und Geldknappheit gewachsen sein?
Alexander Musik spricht mit Martina Österreich, stellvertretende Obfrau und Vorstandsmitglied von Wikimedia Österreich und Prof. Dr. Erika Thomalla vom Zentrum für Buchwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München über die Geschichte des Wikipedia-Projekts, seinen Anspruch und seine Relevanz. Und über jenen berühmten Vorläufer: Die Enzyklopädie von Denis Diderot und Jean le Rond d'Alembert von 1751 mit 71.818 Artikeln und 2.885 Kupferstichen. Auch sie hatte den Anspruch, das Wissen der Welt zu sammeln.
Wie immer sind Sie eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen. Kostenlos aus ganz Österreich können Sie uns unter 0800 22 69 79 erreichen; oder Sie schreiben uns ein Mail an punkteins(at)orf.at
Wie oft nutzen Sie Wikipedia? Haben Sie sich je gefragt, wie ein Wikipedia-Artikel zustande kommt? Vertrauen Sie einem Brockhaus-Artikel mehr als einem Wikipedia-Artikel oder gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die selbst zu ihrer Entstehung beitragen?
Sendereihe
Gestaltung
- Alexander Musik
