APA-IMAGES/AP/UGC
Punkt eins
Iran: "Heute keine Hinrichtungen"
Proteste, Gewalt und Repression. Gast: Shoura Zehetner-Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
16. Jänner 2026, 13:00
Nach Angaben des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi werden dieser Tage die Hinrichtungen von Demonstranten durch Erhängen im Iran ausgesetzt - nach "drei Tagen terroristischer Operationen", die von Israel inszeniert worden seien, habe die Regierung wieder die volle Kontrolle im Iran. Auch deswegen können die Hinrichtungen ausgesetzt werden.
Dieser Ankündigung ging eine Drohung des US-Präsidenten Donald Trump voraus - er kündigte eine scharfe Reaktion an, falls die iranische Führung weiterhin Demonstranten hinrichten sollte. Seit mehr als zwei Wochen kommt es zu großen Protesten gegen das Mullah-Regime der seit 1979 bestehenden Islamischen Republik. Laut der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights wurden dabei mehr als 3.400 Demonstrantinnen und Demonstranten getötet und mehr als 10.000 Menschen festgenommen.
Amnesty International verfolgt die Proteste im Iran, die am 28. Dezember 2025 begonnen haben, und die Maßnahmen der Behörden. Die iranischen Sicherheitskräfte gehen demnach mit Schusswaffen gegen friedlich Demonstrierende vor, die dokumentierten Tötungen zeigen alle Merkmale außergerichtlicher Hinrichtungen. Das sei staatlich angeordnete Gewalt gegen die eigene Bevölkerung, sagt Shoura Zehetner-Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. Auch wenn die Hinrichtungen derzeit ausgesetzt sind: Es droht unzähligen inhaftierten Menschenrechtsaktivisten das Todesurteil durch iranische Behörden.
Trotz der heftigen Polizeigewalt gehen die Proteste weiter. Von einer großen Wut sprechen Beobachter des Landes, die sich seit dem Jahr 2009 und damals beginnenden gesellschaftlichen Protesten aufgebaut habe. Neben dem aktuellen Währungszusammenbruch würden auch die allgemeinen wirtschaftlichen Probleme des Landes, die Strukturkrise des iranischen Regimes und die weltpolitische Situation den Widerstand befeuern. Auch die Großdemonstrationen des Jahres 2022 spielen weiterhin eine Rolle.
Damals gingen tausenden Menschen unter dem Motto "Frau, Leben, Freiheit" auf die Straße, um gegen die Unterdrückung von Frauen zu demonstrieren. Bei diesen Hijab-Protesten stand ursprünglich die Ablehnung des Kopftuchzwangs für Frauen im Mittelpunkt, doch bald forderten Demonstrierende im ganzen Land den Sturz des Regimes. In Folge nahm die Repression im Iran zu: Nach offiziellen Angaben wurden 2023 mehr als 1.800 Unternehmen zwangsweise geschlossen, weil sie die Verschleierungspflicht nicht durchgesetzt hatten. Die Zahl der Hinrichtungen stieg stark an - 2025 wurden in den ersten neun Monaten mehr als 1.000 Menschen getötet.
Wie entwickelt sich die Situation aktuell im Iran? Welche gesellschaftlichen und politischen Probleme haben zu diesen massiven Protesten geführt? Und wie kann der iranischen Zivilgesellschaft jetzt geholfen werden?
Über diese Fragen spricht Marlene Nowotny mit Shoura Zehetner-Hashemi und mit Ihnen: Rufen Sie Sie uns an und diskutieren Sie mit - unter 0800 22 69 79 oder punkteins(at)orf.at
