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Punkt eins
Verborgene Ungleichheit, unsichtbare Diskriminierung
Klassismus in Österreich. Gäste: Carina Altreiter, Soziologin, Arbeiterkammer Wien & Alexandra König, Gleichstellungsanwaltschaft des Bundes & Daniel Schönherr, Studienleiter, Foresight - Zentrum für Soziale Innovation. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
27. Jänner 2026, 13:00
Es ist eine Form der Diskriminierung, die weit verbreitet ist, jedoch kaum anerkannt wird: Klassismus, also die Ausgrenzung und Abwertung von Personen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder sozialen Stellung. Das Österreich eine Klassengesellschaft ist, in der Bildungs- und Einkommenschancen und damit auch die Lebenserwartung zum größten Teil vererbt werden, belegen zahlreiche statistische Kennzahlen. Was das für den Alltag der Betroffenen bedeutet, hat nun eine Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Wien und der Gleichbehandlungsanwaltschaft gezeigt.
Die Ergebnisse zeigen: Erfahrungen von Benachteiligung aufgrund von sozialer Herkunft oder sozialer Stellung sind keine Ausnahme - die Betroffenen machen sie im Bildungssystem, in der Arbeitswelt, auf Ämtern, bei Behörden. Die Studie zeigt, dass bereits Kinder erste Erfahrungen klassistischer Ausgrenzung machen, die vielfach mit Scham verbunden sind. Das Bildungssystem, allen voran die Schule, wird zu einer Art "Sortiermaschine für die Klassengesellschaft": Ohne Vorbilder und entsprechende soziale Netzwerke erfolgreich durch das österreichische Schulsystem zu navigieren, ist vielfach unmöglich.
Die Studie zeigt auch, dass die Bildungsexpansion der vergangenen Jahrzehnte zu einer Abwertung nichtakademischer Berufe geführt hat. Hatten noch 1971 mehr als 50 Prozent aller Erwerbstätigen höchsten Pflichtschulabschluss, gilt das heute nur noch für 12 Prozent. Der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker am Arbeitsmarkt hat sich seitdem verfünffacht.
Denn viele Berufe, etwa im Bereich der Sozialen Arbeit oder der Gesundheit, wurden "akademisiert". "Wissensarbeit" wurde aufgewertet, manuelle Leistungen haben an Anerkennung verloren. Gleiches gilt für viele "einfache" Dienstleistungen - hier machen die Erwerbstätigen immer wieder Klassismuserfahrungen, etwa in Form von Beleidigungen durch Kunden, Patientinnen oder Gäste. Ihre Leistungen werden systematisch abgewertet.
Welche gesundheitlichen, psychischen und sozialen Folgen haben diese Erlebnisse klassistischer Diskriminierung für die Betroffenen? Was muss getan werden, um diese Formen der Ausgrenzung und Abwertung zu verhindern? Und welche Rolle spiele hier Behörden und andere öffentliche Institutionen? Über diese Fragen spricht Marlene Nowotny mit der Soziologin Carina Altreiter von der Arbeiterkammer Wien, Alexandra König von der Gleichstellungsanwaltschaft und dem Studienleiter Daniel Schönherr.
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