ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Gedanken für den Tag
Antiziganismus heute
Gedanken zum Holocaust-Gedenktag von Pia Thomasberger, Vizepräsidentin der HÖR, Rom:nja-Aktivistin, studiert Pflege an der FH Campus Wien
29. Jänner 2026, 06:57
Was heißt Gedenkkultur heute? Diese Frage lässt sich nicht beantworten, ohne auf die Gegenwart zu blicken. Denn Gedenken verliert seinen Sinn, wenn es sich nur auf die Vergangenheit richtet, während sich Ausgrenzung und Diskriminierung im Heute weiter verschärfen.
In fast allen Ländern der Europäischen Union erleben Romnja und Sintizze derzeit eine Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen. Antiziganismus zeigt sich offen in politischen Debatten, in restriktiven Gesetzen, in Hetze in sozialen Medien, aber auch in alltäglichen Formen der Benachteiligung: beim Zugang zu Bildung, Wohnraum, Arbeit oder medizinischer Versorgung. Was erschüttert, ist nicht nur die Existenz dieser Ungleichheiten, sondern wie selbstverständlich sie oft hingenommen werden.
Eine zeitgemäße Gedenkkultur darf dazu nicht schweigen. Sie kann sich nicht auf Kränze, Jahrestage und feierliche Worte beschränken, während Romnja und Sintizze heute wieder zu Sündenböcken gemacht werden. Gedenken bedeutet hier, den Zusammenhang zu erkennen: Die Verfolgung im Nationalsozialismus begann nicht mit Lagern und Deportationen, sondern mit Ausgrenzung, mit Vorurteilen, mit dem systematischen Entzug von Rechten - genau dort, wo wir auch heute wieder gefährliche Parallelen sehen.
Gedenkkultur heute heißt, die Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern sie ernst zu nehmen. Es heißt, Antiziganismus klar zu benennen und ihm entgegenzutreten - politisch, gesellschaftlich und persönlich. Es heißt, Romnja und Sintizze nicht nur als Opfer der Vergangenheit zu sehen, sondern als Teil unserer Gegenwart: mit Rechten, mit Stimmen, mit Würde. Eine lebendige Gedenkkultur fragt nicht nur: Was ist damals geschehen? Sie fragt auch: Was lassen wir heute zu? Und: Auf welcher Seite stehen wir? Gedenkkultur heute bedeutet daher, Geschichte als Warnung zu begreifen - und als Aufforderung, eine andere Zukunft möglich zu machen.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Django Reinhardt 1910 - 1953
Komponist/Komponistin: Stephane Grappelli 1908 - 1997
Album: YOUNG DJANGO
Titel: Minor swing/instr.
Solist/Solistin: Stephane Grappelli
Solist/Solistin: Philip Catherine
Solist/Solistin: Larry Coryell
Solist/Solistin: Niels Henning Orsted Pedersen
Länge: 03:27 min
Label: MPS 8156722
