Gämse und Rothirsche

APA-IMAGES/DPA/SASCHA DITSCHER

Vom Leben der Natur

Leben am Limit

Der Zoologe Walter Arnold spricht über die Strategien der Wildtiere, den Winter zu überstehen.

Teil 5: Weniger Bewegung, weniger verbrennen.

"Gämsen, Steinböcke oder Rothirsche schrauben ihre Stoffwechselaktivität im Winter um die Hälfte herunter", erklärt Walter Arnold, emeritierter Professor am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Denn der Winter ist auf Grund der niedrigen Temperaturen und des geringen Nahrungsangebotes eine Herausforderung für die Tiere. Eine Herausforderung, an die sie sich im Lauf der Evolution aber gut angepasst haben: Vor Beginn des Winters wird ordentlich gefuttert, es werden Fettreserven angelegt. Mit dieser gespeicherten Energie muss sorgfältig umgegangen werden und dafür haben die Tiere ausgeklügelte Methoden entwickelt. "Die Tiere überleben den Winter nur, weil sie ihre Stoffwechselaktivität vor allem durch das Absenken der Körpertemperatur dramatisch reduzieren", sagt Arnold.

Mit miniaturisierten Messgeräten untersuchten er und sein Team die Körperfunktionen von Murmeltieren sowie von Tieren, die keinen Winterschlaf halten, wie Rothirsche, Steinböcke oder Gämsen. Er erzählt von eingebauten Wärmetauschern im Blutkreislauf und der Atmung. Ein Vorbild, das sich auch Menschen bei modernen Heizungstechniken zunutze machen. Und er konnte nachweisen, dass Wildtiere viel weniger Nahrung zu sich nehmen. Dadurch schrumpfen ihre Organe, was den Energieaufwand zusätzlich reduziert. Spannend ist auch, dass Wildtiere vor dem Winter gezielt jene Nahrung zu sich nehmen, die ihnen konkret hilft, die Körpertemperatur auf einem Niveau zu belassen, das die Funktion, insbesondere des Herzmuskels, ermöglicht.

"Es sind beeindruckende Anpassungsstrategien", sagt der Zoologe Walter Arnold.
Er beschreibt ein "Leben auf Sparflamme". Und er warnt vor Störungen durch den Menschen, da jeder zusätzliche Energieaufwand das Leben des Wildtieres gefährden, im schlimmsten Fall sogar frühzeitig beenden kann.

Service

Gesprächspartner:
Univ.Prof. Emeritus Dr. Walter Arnold, ehemaliger Institutsleiter
FIWI, Veterinärmedizinische Universität Wien

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