ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Gedanken für den Tag
Gedenken an den Porajmos
Gedanken zum Holocaust-Gedenktag von Pia Thomasberger, Vizepräsidentin der HÖR, Rom:nja-Aktivistin, studiert Pflege an der FH Campus Wien
31. Jänner 2026, 06:57
Das Wort Holocaust ist den meisten Menschen ein Begriff. Es steht für den beispiellosen Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Regime.
Weniger bekannt ist, dass es auch für die Verfolgung und Ermordung von Romnja und Sintizze einen eigenen Begriff gibt: Porajmos. Ein Wort aus dem Romanes, das "das Verschlingen" bedeutet. Der Porajmos bezeichnet den Völkermord an unserer Volksgruppe während der Zeit des Nationalsozialismus. Hunderttausende Romnja und Sintizze wurden entrechtet, deportiert, in Lager gesperrt, zwangssterilisiert und ermordet. Familien wurden auseinandergerissen, Kinder starben an Hunger, Krankheiten und medizinischen Experimenten. Ganze Gemeinschaften wurden ausgelöscht.
Dies war kein Randgeschehen. Er war Teil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Und doch ist er bis heute kaum im kollektiven Gedächtnis Europas verankert. Nach 1945 endete das Leid für viele Überlebende nicht. Sie kehrten in Gesellschaften zurück, die ihnen weiterhin mit Ablehnung, Misstrauen und offener Diskriminierung begegneten. Der Antiziganismus, der ihre Verfolgung überhaupt erst möglich gemacht hatte, verschwand nicht mit dem Ende des Krieges. Er blieb bestehen - in Behörden, in Gerichten, in Schulen und in den Köpfen.
Viele der Überlebenden schwiegen jahrzehntelang. Nicht, weil sie nichts zu erzählen hatten, sondern weil niemand bereit war, ihnen zuzuhören. Ihre Aussagen wurden angezweifelt. Entschädigungsanträge abgelehnt, ihr Leid relativiert oder verschwiegen. Der Porajmos wurde erst sehr spät offiziell anerkannt - in Deutschland 1982, in Österreich noch später. Bis heute kämpfen Romnja und Sintizze darum, dass ihre Geschichte als Teil der europäischen Erinnerungskultur ernst genommen wird. Warum ist das wichtig? Weil Erinnerung nicht nur Vergangenheit ist. Weil sie entscheidet, wessen Leid gesehen wird - und wessen nicht. Und weil sich in der Art, wie wir erinnern, zeigt, welche Leben heute zählen.
Der Porajmos wirkt bis in die Gegenwart. In Vorurteilen, die weitergegeben werden. In Diskriminierung, die Alltag ist. Und in einem Schweigen, das noch immer zu oft herrscht. Über den Porajmos zu sprechen, heißt deshalb nicht nur, Geschichte nachzuholen. Es heißt, Verantwortung zu übernehmen - hier und heute.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Jesus Bola
Komponist/Komponistin: Diego Carrasco
Komponist/Komponistin: Juan Parrilla
Komponist/Komponistin: Jose Carbonell
Album: GIPSY PASSION BAND
Titel: Desafian/instr.
Anderssprachiger Titel: They challenge/instr.
Ausführende: Gipsy Passion Band feat. Joaquin Cortes
Länge: 03:13 min
Label: EMI Odeon 8574772
