Binärcode und Fragezeichen, Zeichnung

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Punkt eins

Ja, nein, vielleicht, oder?

Wie wir Entscheidungen treffen und warum es uns oft schwerfällt. Gast: Dr. Verena Utikal, Verhaltensökonomin, Entscheidungsforscherin. Moderation: Andreas Obrecht. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Es sind zumeist nicht die großen Entscheidungen, die über Glück oder Unglück in unserem Leben bestimmen, sondern die kleinen Entscheidungen des Alltags, ob wir mit uns selbst zufrieden sein und diese Zufriedenheit auch anderen Menschen vermitteln können. Das meint die Verhaltensökonomin Verena Utikal in ihrem aktuellen Buch "Entscheide dich glücklich!", in dem Erkenntnisse der Entscheidungsforschung mit praktischen Strategien für die Entscheidungsfindung im Alltag, im Beruf, in Beziehungen oder im Gesundheitsbereich verbunden werden.

Warum fallen uns Entscheidungen und deren Umsetzung oft so schwer? Abgesehen davon, dass wir in einer Welt mit grundsätzlich zu vielen Entscheidungsoptionen leben, die oft auf einen Konflikt zwischen Verstand und Gefühl hinauslaufen, ortet die Autorin fünf Hindernisse, die dazu führen, dass wir Entscheidungen, die wir einmal getroffen haben, gar nicht umsetzen: Unter Stress und Zeitnot tendieren wir dazu, bereits bewährte Verhaltensweisen zu wiederholen, auch wenn sie unseren eigenen Entscheidungen oder Intentionen zuwiderlaufen; in sozialen Kontexten ahmen wir das Verhalten anderer oft nach, um Anerkennung, Bestätigung und Respekt zu erlangen und als Teil der Gruppe akzeptiert zu werden; ein verzerrtes Selbstbild und eine große Divergenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung führt dazu, dass wir Verhaltensweisen wählen, für die wir uns zwar nicht entschieden haben, von denen wir aber annehmen, dass sie unserem Selbstbild oder dem Bild, das andere von uns haben, besser entsprechen und uns daher Stabilität und Sicherheit verleihen. Schließlich treffen wir Entscheidungen nicht aus Überzeugung, sondern schlichtweg aus Angst, etwas oder jemanden zu verlieren. Und zudem macht uns fehlende Selbstkontrolle oft einen Strich durch die Rechnung der Umsetzung bewusster Entscheidungen: Das Jetzt der Gegenwart, der spontanen Bedürfnisbefriedigung ist dann wichtiger als Selbstdisziplin und längere Planung.

Die Vielfalt von Entscheidungsmöglichkeiten in unserer individualisierten Welt, die durch social media und exzessive Konsumorientierung noch verstärkt wird, macht nicht glücklich, schreibt Verena Utikal. Glücklich machen Entscheidungsmöglichkeiten, die übersichtlich und relevant sind, zudem unser Gefühl für Selbstbestimmung stärken. Es geht also auch um Reduktion von Komplexität in unseren zuweilen überforderten Köpfen. Zudem weist die Autorin darauf hin, dass es oftmals - auch wenn noch so viele Dinge recherchiert, überlegt werden und Entscheidungswissen angehäuft wird - keine "beste" Option gibt, dass sich diese als Illusion herausstellt. Auch bei großen Entscheidungen gibt es diese "beste" Option vielfach nicht, besonders dann, wenn die Folgen der Entscheidung nicht absehbar sind - wie z.B. bei der Partnerwahl, bei Job- oder Wohnungsortwechsel oder auch bei risikoreicheren Investments. Das entscheidende Kriterium sieht die Autorin in der "Stimmigkeit" der Entscheidung - das Bauchgefühl muss passen. Selbst wenn die rationalen Gründe, eine bestimmte Entscheidung zu treffen, noch so klar sind und gut im inneren Monolog argumentiert werden können - solange die emotionale Bejahung nicht gegeben ist, sollten wir diese Entscheidung nicht treffen.

Verena Utikal ist zu Gast bei Andreas Obrecht und diskutiert mit den Hörerinnen und Hörern sowohl die Gründe, warum im Alltag oft die falschen Entscheidungen getroffen werden, als auch Strategien und Methoden, die zu richtigen und daher auch glücklich machenden Entscheidungen führen.

Sehen Sie sich als entscheidungsfreudiger Mensch, oder als einer, dem Entscheidungen schwerfallen? Bedeutet Entscheidungsfreiheit auch, Entscheidungen zu widerrufen und sich umentscheiden zu können? Welche Stolpersteine nehmen Sie im Prozess der Entscheidungsfindung wahr? Welche Entscheidungen im Alltag treffen sie aus Gewohnheit, welche reflektieren sie und welche stellt sich für Sie jeweils von neuem?

Wie immer freut sich die Redaktion über Ihre Teilnahme an dem Gespräch unter 0800 22 69 79 oder unter punkteins(at)orf.at.

Service

Verena Utikal: Entscheide dich glücklich! Warum in kleinen Entscheidungen die große Veränderung liegt. Wien: Brandstätter, 2025.

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