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Am Puls - Gesundheit und Medizin
Der Chefarzt, das unbekannte Wesen
Der Wolf ist dem Menschen ein Wolf - Lupus erythematodes, zum Tag der seltenen Erkrankungen ++ Tipps bei Schlafproblemen ++ Live Am Puls - Sprechstunde: Der Chefarzt und die verwirrende Welt der Bewilligungen | Gast: Andreas Krauter, ÖGK | Moderation: Ronny Tekal | Anrufe 0800 22 69 79 | E-Mail: ampuls@orf.at
26. Februar 2026, 16:05
Die graue Eminenz hinter den Bewilligungen
"Das muss der Chefarzt erst bewilligen" - ein Satz, den man oft in Ordinationen zu hören bekommt, wenn es darum geht, bestimmte Medikamente, Untersuchungen, Therapien oder einen neuen Rollstuhl auf Krankenkassenkosten zu erhalten. Und auch wenn selbstredend Medizinerinnen und Mediziner hier am Werk sind, hat sich der maskuline Begriff "Chefarzt" als Synonym für diese Institution etabliert. Der "Medizinische Dienst" der Sozialversicherungsträger, wie es korrekt heißt, entscheidet täglich über Leistungen, die über den Rahmen des Erstattungskodex hinausgehen. Wie diese Entscheidungen ausfallen, ist für manche jedoch nicht ganz nachvollziehbar.
Dabei sieht man sich nicht als schikanöse Kontrollinstanz, die Ärztinnen und Ärzten auf die Finger klopft und Heilbehelfe oder Therapien verweigert. "Der Medizinische Dienst wahrt die Interessen der Solidargemeinschaft", erklärt Andreas Krauter, Internist und Chefarzt bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Vielmehr gehe es darum, sinnvolle Leistungen anzubieten und eine Überdiagnostik zu vermeiden - nicht zuletzt, um Ressourcen für dringende Fälle oder Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen freizusetzen.
Dennoch wird die chefärztliche Instanz mitunter als intransparent und willkürlich empfunden. Zumal ein weiterer Aufgabenbereich auch darin liegt, zu kontrollieren, ob ein Krankenstand (noch) medizinisch gerechtfertigt ist. Trotz des gebräuchlichen Namens ist der Chefarzt keine medizinische Oberbehörde, sondern ein ökonomisches Kontrollinstrument im Rahmen der solidarisch finanzierten Sozialversicherung.
Ronny Tekal wirft in der aktuellen Ausgabe von "Am Puls" einen Blick hinter die Kulissen des Medizinsystems und stellt das im Hintergrund vermeintlich geheimnisvoll agierende Chefarztwesen vor.
Gast im Studio:
Andreas Krauter, ÖGK, Internist und Leiter des Fachbereiches Medizinischer Dienst bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK)
Statements am Telefon:
Naghme Kamaleyan-Schmied, Allgemeinmedizinerin, Vizepräsidentin Wiener Ärztekammer
Angelika Widhalm, Vorsitzende Bundesverband Selbsthilfe Österreich
Der Wolf ist dem Menschen ein Wolf - Lupus erythematodes
(zum Tag der seltenen Erkrankungen)
Am 28. Februar ist der Tag der seltenen Erkrankungen. Rund 450.000 Menschen in Österreich leben mit einer solchen Diagnose - meist lange unerkannt, weil die Symptome unspezifisch sind und im medizinischen Alltag leicht übersehen werden. Ziel dieses "Rare Disease Days" ist es, genau dafür Bewusstsein zu schaffen.
Eine dieser seltenen Krankheiten ist der systemische Lupus erythematodes, kurz SLE oder Lupus (lat. Wolf). Er zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem Strukturen im eigenen Körper angreift. In diesem Fall werden Antikörper gegen die eigenen Zellkerne und die darin befindliche DNA gebildet. Damit kommt es zu Entzündungen in Gelenken, der Haut oder an inneren Organen. Als "Chamäleon" unter den Erkrankungen zeigt sich SLE mit extrem variablen Symptomen, sodass die Diagnose oft schwierig ist und erst nach Jahren gestellt wird. Mit entsprechender Behandlung können viele Betroffene ein weitgehend normales Leben führen, eine Heilung ist zurzeit noch nicht möglich. Für schwere Fälle steht mittlerweile ein neuer Therapieansatz aus der Krebsmedizin zur Verfügung - die sogenannte CAR-T-Zell-Therapie. Norbert Peter hat sich angesehen, wie man den Wolf zähmen kann.
Interviewpartner:
Bernhard Rintelen, Rheumatologe, Landesklinikum Stockerau, NÖ
Infotage "Seltene Erkrankungen", 25.- 27.2.2026, 12:00-14:00, Treffpunkthalle des Universitätsklinikums, AKH Wien
Im Zeichen der Solidarität erstrahlen die MedUni Wien und das AKH Wien von 23. bis 28. Februar 2026 in leuchtenden Farben.
Rubrik "Eine Frage noch"
"Wie kann man trotz Gedankenkreisen einschlafen?"
Die Antwort kommt von der Schlafcoachin Melanie Pesendorfer
