Zwischenruf
Faire Spiele - auch für die Umwelt
von Prof. Martin Lintner, Moraltheologe in Brixen
8. Februar 2026, 06:55
Am 6. Februar wurden die 25. Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina eröffnet. Einige Wettbewerbe finden auch in meiner Heimat Südtirol statt. Bis zum 22. Februar stehen Sportlerinnen und Sportler aus allen Teilen der Erde im Mittelpunkt.
"Dabei sein ist alles" lautet ein olympisches Motto. Es besagt, dass schon die Teilnahme an diesen Wettkämpfen eine große Leistung ist und die Aufmerksamkeit nicht nur denjenigen gelten sollte, die schlussendlich auf dem Podium stehen. In diesem Sinne freue ich mich für die Athletinnen und Athleten, für die die Teilnahme an den Olympischen Spielen einen Höhepunkt in ihrem Leben und in ihrer sportlichen Karriere darstellt.
Beworben werden die Spiele auf der offiziellen Olympia-Homepage folgt: "Olympia steht für die größten internationalen Wettkämpfe, bei denen Athletinnen und Athleten aus aller Welt im Zeichen von Fairness und Zusammenhalt ihre Grenzen überwinden. Die Faszination liegt in der einzigartigen Verbindung von sportlicher Exzellenz, kultureller Vielfalt und dem Streben nach Frieden und Freundschaft."
Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Das sportliche Großereignis stellt nämlich auch ein umweltethisches Problem dar. Im Vorfeld der Bewerbungen um die Austragung der Olympischen Winterspiele wurde mit dem Slogan der "nachhaltigsten Olympischen Winterspiele" um die Zustimmung der Bevölkerung geworben. Bereits jetzt zeigt sich jedoch, dass die Nachhaltigkeit auf der Strecke bleibt. Anders als angekündigt wurden nur vereinzelt die bereits vorhandenen Strukturen genutzt, sondern es mussten neue geschaffen werden.
Diese bedeuteten zum Teil gravierende Eingriffe in äußerst sensible hochalpine Landschaften. Viele dieser Sportstrukturen werden nach den Spielen nicht mehr genutzt werden, sondern als Sportruinen verfallen. Hinzu kommt das gravierende Problem des Schneemangels. Seit Wochen müssen Unmengen an Kunstschnee produziert werden, da der Naturschnee schlichtweg fehlt. Die vorhandenen Speicherbecken reichen für den Wasserbedarf bei Weitem nicht aus. Es wird Wasser aus Gebirgsbächen abgepumpt, die aufgrund des extrem schneearmen Winters bereits weit weniger Wasser führen als um diese Jahreszeit üblich.
Dieser Umgang mit der Natur widerspricht meines Erachtens nach dem christlichen Auftrag, verantwortungsvoll mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen umzugehen. In meiner Heimat spricht man bereits jetzt von den unnachhaltigsten Olympischen Winterspielen aller Zeiten. Entgegen den Ankündigungen ist es nicht gelungen zu verhindern, dass die olympischen Ringe zum Symbol für erhebliche Umweltbelastungen werden.
Ich wünsche den Athletinnen und Athleten spannende und erfolgreiche Wettkämpfe, die von Fairness, Freude am Sport sowie von Völkerverständigung und Frieden geprägt sind. Zugleich plädiere ich dafür, dass sportliche Events an klaren ökologischen Standards von Nachhaltigkeit und Umweltschutz ausgerichtet werden, damit die Freude an den sportlichen Leistungen und der olympische Gedanke nicht getrübt werden durch eine negative Umweltbilanz.
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Johann Sebastian Bach
Album: Peter Sadlo : Classic Percussion
* Courante - 3.Satz (00:01:10)
Titel: Suite für Violoncello Nr.1 in G-Dur BWV 1007 / Bearbeitung für Schlagzeug
Solist/Solistin: Peter Sadlo /Schlagzeug
Länge: 01:11 min
Label: Koch CD 310141 H1
