PICTUREDESK.COM/KARL SCHÖNDORFER
Intermezzo - Künstlerinnen und Künstler im Gespräch
Kluges KI: Kunst als Konjunktiv der Bilder
Alexander Kluge zu Gast bei Christine Scheucher
22. Februar 2026, 11:44
Er gilt als hellsichtiger und engagierter Diagnostiker der Gegenwart und hat mit seinen Filmen das deutsche Autorenkino der 1960er, 70er und 80er Jahre geprägt. Alexander Kluge ist Autor, Regisseur und Fernsehmacher. Vielen gilt er als letzter Universalgelehrter Deutschlands. Spätestens seit 2018 ist Kluge auch in der Kunstwelt verankert. Damals widmete ihm das Belvedere 21 eine Personale. Nun zeigt Alexander Kluge, der am 14. Februar seinen 94. Geburtstag gefeiert hat, eine Ausstellung im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste, auch bekannt als Semperdepot. "Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern", so der blumige Titel der Schau, die eine Brücke vom Theater zum Film schlägt.
Wo einst die Kulissen des Hoftheaters gelagert wurden, flimmern nun die Monitore. Büsten von Medusa, Homer, Häupter von Caesaren markieren die einzelnen Kapitel eines Stationentheaters, das im Raum inszeniert wird. Alexander Kluge setzt die filmische Montage im Raum fort und faltet einmal mehr sein uferloses Wissen auseinander. Der Künstler spinnt ein Netz von Referenzen, das vom Mythos in die Gegenwart führt.
In den 1960er Jahren wird der studierte Jurist und Rechtsanwalt Alexander Kluge zum Berater des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt und hernach zum Weggefährten Theodor W. Adornos. In den frühen 1960er Jahren gehörte Kluge zu einer Gruppe junger Filmemacher, die gegen das etablierte Nachkriegskino Front machte. In Deutschlands Kinosälen dominierten überzuckerte Idyllen, Kostümschinken und Heimatfilme, die das Trauma des Krieges vergessen machen sollen. 1962 formulieren junge Filmschaffende während der Kurzfilmtage in Oberhausen das so genannte "Oberhausener Manifest": eine Kampfansage an den Nachkriegskitsch und die Geburtsstunde des Neuen Deutschen Autorenfilms, der mit Namen wie Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Alexander Kluge verknüpft ist. Doch die larmoyante Nabelschau so mancher Veteranen der 68er-Bewegung liegt Alexander Kluge nicht. Statt in die Vergangenheit blickt er in die digitale Zukunft. Denn Kluges jüngste Filmprojekte entstehen mit Hilfe der KI. Diese, so Kluge, öffne Möglichkeitsräume jenseits des Physisch-Realen und feiere den so genannten Konjunktiv der Bilder.
