Kittelschürzen

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Outfit. Was wir tragen und warum (1)

Die Kittelschürze

Sich mit Kleidung oder Mode zu beschäftigen, wird gerne als oberflächlich, verspielt und bedeutungslos abgetan. Dabei steckt unsere Kleidung voller Bedeutung. Kleidung ist Kommunikation. Und so verraten auch die Dinge, die wir auf Haut und Haar tragen einiges. Sie erzählen von Normen, von politischen und sozialen Veränderungen. Davon, wer dazugehört und wer nicht, von Geschlechter-, Ethnizitäts- oder Klassengrenzen, und vor allem von deren Überschreitung.
Irmi Wutscher und Anna Masoner stellen in dieser Serie ausgewählte Kleidungsstücke und ihre Geschichten in den Mittelpunkt.

Kaum ein Kleidungsstück erscheint uns unglamouröser, als die Kittelschürze: die Arbeitskleidung der Hausfrau (kein gendern notwendig) aus praktischem Baumwollstoff oder Polyester, getragen um die "gute Kleidung" nicht zu verschmutzen oder abzunutzen.
Dabei ist es interessant, sich die Geschichte dieses bescheidenen Kleidungsstücks anzusehen. Sie entstand in den USA während des 1. Weltkrieges als erste "Arbeitsuniform" für Frauen bei der Hausarbeit und stand für Modernität und Hygiene im Haushalt.
Ab den 1960er Jahren von Mittelschicht-Feministinnen abgelehnt, wurde die Kittelschürze gemeinsam mit dem Hausfrauenbild eingemottet. Spätestens seit den 1980er Jahren ist die Kittelschürze aus vielen Häusern verschwunden und fristet ihr Randdasein unter Bäuerinnen oder Putzkräften.
Wir fragen: Ist die Kittelschürze Mode? Kann in der Kittelschürze mehr stecken als eine Hausfrauenparodie, gibt es heute noch eingefleischte Fans und was hat es zu bedeuten, dass ein Haute Couture-Modehaus im Herbst 2025 Kittelschürzen über den Laufsteg der Pariser Modewoche geschickt hat?

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