Männerhand, Cowboy

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Im Fokus - Religion und Ethik

"Mann genug?"

Aktuell im Fokus: Von den USA bis nach Europa - Das Netzwerk des Neo-Integralismus +++ Thema im Fokus: "Mann genug?" - Zwischen Feminismus und Manosphere +++ Serie: Wie kam die Schlange in den Apfelbaum? - Fehlübersetzungen in der Bibel +++ Moderation: Johannes Kaup

Aktuell im Fokus: Von den USA bis nach Europa - Das Netzwerk des Neo-Integralismus

Die vom Vatikan angeordnete Apostolische Visitation des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz im Wienerwald ist abgeschlossen, der Bericht wird derzeit in Rom begutachtet. Sie hat sich insbesondere mit dem Leitungsstil der Abtei und des Abtes sowie dem Umgang mit Missbrauchsvorwürfen und schwerwiegenden Verfehlungen beschäftigt.
Seit Monaten taucht das Stift aber auch immer wieder im Zusammenhang mit der Bewegung des sogenannten Neo-Integralismus auf. Unter anderem wird im jüngsten Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes (DÖW) Edmund Waldstein, einer der Ordensmänner des Stiftes, erwähnt. Ende Jänner hat die Stiftsleitung gemeinsam mit der auf dem Gelände ansässigen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. und Edmund Waldstein eine Erklärung veröffentlicht, in der sich alle Beteiligten von jeder Form des Rechtsextremismus distanzieren. Zudem hat der Rektor der Hochschule, Wolfgang Klausnitzer, den Ordensmann aufgefordert, seine umstrittenen Aussagen auch wissenschaftlich aufzuarbeiten. Edmund Waldstein hatte in einer seiner Schriften die Todesstrafe für sogenannte Häretiker gefordert, also Menschen, die von der offiziellen römisch-katholischen Lehre abweichende Positionen vertreten. Er hat diese Aussagen zwar zurückgenommen, ist jedoch seit Frühjahr 2025 von seiner Tätigkeit als Dozent in Heiligenkreuz beurlaubt. Amelie Sztatecsny hat unter anderem mit dem Rektor der Hochschule gesprochen.

Judith Fürst spricht mit Michaela Quast-Neulinger vom Institut für Systematische Theologie an der Universität Innsbruck über die Bewegung der Neo-Integralisten, ihre Vernetzung bis in hohe politische Kreise von den USA bis nach Europa, ihre Bestrebungen, demokratische Regierungen durch einen Konfessionsstaat zu ersetzen, und ihre Verbindung zum Rechtsextremismus.


Thema im Fokus: "Mann genug?" - Zwischen Feminismus und Manosphere

Erfolgreich, durchsetzungsstark, entschlossen und mutig - es ist ein altes Bild eines vermeintlich echten Mannes, das sich heute wieder neuer Beliebtheit freut. Denn, obwohl das Bild des Mannes als Versorger und Ernährer seit Jahren heftig kritisiert wird, hat sich in der Gesellschaft (noch) kein neues von einer Mehrheit anerkanntes männliches Leitbild durchgesetzt. Während Stars wie der britische Sänger, Songwriter und Schauspieler Harry Styles oder der österreichische Sänger und Travestiekünstler Thomas "Tom" Neuwirth für Toleranz und neue Bilder von Männlichkeit eintreten, geraten online Versuche, alte Rollenbilder kritisch anzufragen, vermehrt unter Beschuss. Unter dem Titel der "Manosphere" organisieren sich Männer via Social Media, um frauenverachtende Positionen und destruktive Männerbilder zu verbreiten. Expert:innen warnen vor ihren chauvinistischen und frauenfeindlichen Äußerungen und ihrem Versuch, vor allem Jugendliche zu radikalisieren. Unterstützt wird der hierbei sichtbar werdende Backlash durch jene Männer, die derzeit in vielen Ländern an den "Schalthebeln der Macht" sitzen und sich selbst als "starke Männer" inszenieren und feiern lassen.

Doch woran liegt dieser Rückwärtstrend? Was ist aus Versuchen geworden, alte und neue Rollenbilder zu kombinieren? Warum gelten Männer wie Donald Trump oder der wegen Vergewaltigung und Menschenhandel verurteilte Influencer Andrew Tate anderen als Vorbild? Judith Fürst und Irene Klissenbauer haben sich auf eine Spurensuche gemacht und mit Expert:innen und jungen Österreichern über Männerbilder, Klischees und politische Entwicklungen gesprochen.


Serie: Wie kam die Schlange in den Apfelbaum? - Fehlübersetzungen in der Bibel

Viele Jahrhunderte lang war er ein dunkler Bestandteil der christlichen Kirchengeschichte: der Antijudaismus. Tatsächlich finden sich bereits in der Bibel, genauer gesagt im Neuen Testament, Passagen, die das Judentum in ein negatives Licht rücken. Aber auch im Bereich der Übersetzungen gibt es Wurzeln für antijudaistische Haltungen - dabei wäre es durchaus möglich, die Dinge anders darzustellen. Brigitte Krautgartner macht das in ihrer Rubrik über Fehlübersetzungen in der Bibel deutlich.

Service

Phelia Weiss, Kevin Koban, Jörg Matthes: A narrow gateway from misogyny to the far right: empirical evidence for social media exposure effects
Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Segregation. Eine Bestandsaufnahme zu Integration und Desintegration in Österreich

Erich Lehner, "Ohne Dich. Wenn Männer trauern", Tyrolia 2024
Brigitte Temel, "Incels - zu Ideologie, Radikalisierung und Intervention in ein radikales Milieu" in: Lakitsch, Maximilian/Suppanz, Werner (Hg.), "Grazer Forschungsbeiträge zu Frieden und Konflikt", Graz 2022
Brigitte Temel, "'The Incel Rebellion has already begun!' - Zur Frage, ob Incels Terroristen sind und was zu tun ist", CPD Policy Blog Januar 2021
Barbara Blaha, "Funkenschwestern. Wie Feminismus alles besser macht", Molden 2026
Sophia Bodenberg, "Revolution der Frauen. Von Feministinnen aus Lateinamerika lernen", Mandelbaum Verlag 2025

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Gestaltung