LENA GÖBL
Gedanken für den Tag
Rituale als Anker
Gedanken zum muslimischen Fastenmonat Ramadan von Adis Serifovic, Vorsitzender der Muslimischen Jugend Österreichs
25. Februar 2026, 06:57
Rituale strukturieren nicht nur den Tag - sie geben dem Chaos Form. In Zeiten, in denen alles im Fluss ist, alles verhandelbar, alles individuell gestaltbar scheint, bieten Rituale etwas Kostbares: Verlässlichkeit.
Die psychologische Forschung zu Ritualen ist eindeutig: Sie reduzieren Angst, fördern Selbstkontrolle und stärken das Gefühl von Zugehörigkeit. Rituale geben uns Halt in Momenten der Unsicherheit. Sie schaffen vorhersehbare Inseln in einem unvorhersehbaren Alltag.
Der Ramadan folgt einem festen Rhythmus. Vor Sonnenaufgang wird gegessen, bei Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen. Dieser Rhythmus wiederholt sich 30 Tage lang. Jeden Tag dieselbe Struktur, und doch ist kein Tag wie der andere. Gerade in der Wiederholung erschließt sich Tiefe. Rituale sind keine starren Regeln, sondern Gefäße zur Erfahrung. Sie schaffen einen Rahmen, innerhalb dessen Bedeutung entstehen kann. Das gemeinsame Fastenbrechen am Abend ist mehr als nur eine Mahlzeit - es wird zum Moment der Verbindung, der Dankbarkeit, der Gemeinschaft.
In einer Welt, die Flexibilität und Spontaneität feiert, wirken Rituale vielleicht altmodisch. Doch gerade die Bindung an etwas Größeres als den eigenen Moment kann befreien. Das Paradox: Je strikter das Ritual, desto mehr innere Freiheit kann entstehen - weil nicht alles ständig neu verhandelt werden muss. Rituale erinnern daran: Manche Dinge sind es wert, immer wieder getan zu werden. Und die kleinen regelmäßigen Schritte führen doch zum großen Erfolg.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Johannes Brahms
Album: Brahms Klavierwerke - Sophie Mayuko Vetter
* Intermezzo A-Dur. Andante teneramente
Titel: Sechs Klavierstücke op.118 (1893)
Solist/Solistin: Sophie-Mayuko Vetter
Länge: 01:20 min
Label: hänssler Classic 98048
