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Radiokolleg
Können Männer Feminismus? (1)
Die Rolle der Männer - damals und heute
2. März 2026, 09:05
Männer und Feminismus klingt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch. Aber ist es das tatsächlich? Umfragen zeigen, dass heute ein beträchtlicher Anteil von Männern Gleichstellung unterstützt oder sich zumindest für Maßnahmen zur Förderung von Frauenrechten ausspricht. Doch ist das genug? Denn die Gleichberechtigung der Geschlechter scheint immer noch eine Utopie: Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer, übernehmen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit und sind in Führungs- und Machtpositionen in der Minderheit. Sie sind häufiger von Armut, Hunger, unzureichender Gesundheitsversorgung und sexueller Gewalt betroffen. Was kann man(n) da tun? Welche Rolle spielen Männer im Streben nach mehr Geschlechtergerechtigkeit, und was bräuchte es, damit sie verstehen, dass Feminismus ein Befreiungsschlag für alle ist? Dass es dabei um Selbstbestimmung, Freiheit und Menschenrechte ganz allgemein geht.
Anlässlich des Internationalen Frauentages 2026 legt Mari Lang den Fokus auf die Männerperspektive. Die Journalistin, die in ihrem Podcast "Frauenfragen" mehr als 50 Gespräche mit bekannten österreichischen Männern geführt hat, geht u.a. der Frage nach, ob Männer Feministen sein können, ob sie das überhaupt sollten und was es braucht, um ernsthaft einer zu sein.
Seit der 2. Welle der Frauenbewegung in den 1970er Jahren unterstützen Männer auch in Österreich den Kampf für mehr Frauenrechte. Zwar nicht als aktive Treiber, aber immerhin in ihrer Position als Entscheidungsträger. Denn bis in die 1980er Jahre lag der Frauenanteil im österreichischen Parlament bei lediglich 10 Prozent. Feministische Fortschritte waren damals also vor allem von männlicher Zustimmung abhängig. Unter der Regierung von Bruno Kreisky wurden zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Frauen in der Gesellschaft umgesetzt - Die Abschaffung der Rolle des Ehemanns als Familienoberhaupt oder die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in den ersten drei Monaten. Wie konnten Männer von feministischen Forderungen überzeugt werden? Wie haben sie die damalige Umbruchsstimmung wahrgenommen, und erkennen sie im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit auch einen persönlichen Mehrwert? Feminismus, so scheint es, ist salonfähig geworden.
"UN Women", die Organisation der Vereinten Nationen, die sich für Geschlechtergleichstellung einsetzt, rief 2014 die Initiative "HeForShe" ins Leben. 2021 startete eine österreichweite Kampagne mit dem Titel "Mann spricht's an", die Männer aufruft sich aktiv für die Beseitigung von Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts einzusetzen. Aber auch immer mehr Privatinitiativen wie "Male Feminists Europe" erscheinen auf der Bildfläche, und der Buchmarkt ist voll mit Lektüre über Feminismus aus Männerperspektive. Warum setzen sich Männer nun auch vermehrt für mehr Frauenrechte ein und mit welchen Reaktionen sind sie konfrontiert? Denn auch wenn es gesamtgesellschaftlich mehr Sensibilisierung für Sexismus und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts gibt, der Gegenwind ist stark. Vor allem aus konservativen und rechtsextremen Kreisen wird der Ruf nach der alten Ordnung zwischen Mann und Frau lauter.
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- Mari Lang
