ORF/JOSEPH SCHIMMER
Machen Sie mit!
Weibliche Wut - Ein Aufruf
"Wut entsteht dort, wo Unrecht ist. Ungelenkt zerstört sie. Geleitet wird sie zu einer Kraft, die bewegt," sagt die Friedensstifterin Scilla Elworthy. Welche Wuterfahrungen haben Sie? Ob nach innen gerichtet oder offen gezeigt, ob kleine Momente des Ärgers oder breite gesellschaftliche Empörung - melden Sie sich und erzählen Sie uns, was Sie erlebt haben und wie Sie mit ihrer Wut umgehen.
16. Februar 2026, 16:15
Ich war in der Volksschule, als ich zum ersten Mal eine Furie genannt wurde. Ich fand es unfair, dass ich 35 Meter mit dem Schlagball werfen musste und es die Turnlehrerin selbst nicht schaffte. Sie belächelte mich. Ich kochte vor Wut. Sie nannte mich eine kleine Furie. Vergessen habe ich weder meine Wut, noch die Erfahrung, dass sie offenbar nicht erlaubt war.
Die Kraft zur Veränderung
In der Geschichtsschreibung gibt es drei Furien: Alecto ("Die Unaufhörliche"), Megaira ("Der neidische Zorn") und Tisiphone ("Die Vergeltung"). Alle drei entstanden aus den Blutstropfen des entmannten Uranos. Sie gelten als unbarmherzige Rachegöttinnen, die ihre Täter in den Wahnsinn treiben. Rachegöttinnen? Von wegen. Ich hatte damals nur Gerechtigkeit gewollt. Aber Wut wird Frauen bis heute kaum zugestanden. Werden wir lauter oder direkter, gelten wir schnell als unkontrollierbar, hysterisch, dramatisch - und vor allem als gefährlich. Dabei ist Wut ein zentrales Grundgefühl. Historisch betrachtet war sie für Frauen oft ein Werkzeug: ein Kompass, ein Motor, eine Kraft zur Veränderung.
MARIA PUTZ
Machen Sie mit!
Ich lade Frauen ein, ihre Wuterfahrungen zu teilen. Ob kleine Momente des Ärgers oder breite gesellschaftliche Empörung, ob nach innen gerichtet oder offen gezeigt - mich interessiert, wie Wut erlebt wird und welche Dynamiken sie entfalten kann. Ich werde alle Mitteilungen hören und lesen und viele davon in der von mir konzipierten Sendereihe "Stimmen der Wut - Frauen erzählen", die im November ausgestrahlt wird, teilen.
Sprachnachricht per WhatsApp an +43800700226
(Bitte nicht vergessen, zuvor Ö1 in ihren Kontakten zu speichern)
Oder per Mail an: oe1.service@orf.at, Betreff: "Weibliche Wut"
Überwachen und Strafen
Die amerikanische Feministin Rebecca Traister beschreibt in ihrem Buch "Good and Mad - The Revolutionary Power of Women's Anger", wie weibliche Wut Frauen - in etwa den Suffragetten, Rosa Parks oder auch jenen Frauen, die Hillary Clinton 2016 im Wahlkampf unterstützten, Orientierung und Antrieb gab. Sie beschreibt auch, wie sehr es sie selbst veränderte, ihre Wut nicht länger zu unterdrücken, sondern sie anzunehmen. Traister schreibt: "Ich glaube nicht mehr daran, dass Wut uns schadet. Es ist vielmehr das System, das uns dafür bestraft, sie auszudrücken. Was wir anstreben können, ist, weibliche Wut genauso zu behandeln wie die Wut weißer Männer - ihr Potenzial ernst zu nehmen."
Die Wut akzeptieren
Ich denke an meine eigene Reise mit diesem Gefühl. Als Kind und Jugendliche habe ich meine Wut - so wie es mir als Mädchen und junge Frau beigebracht wurde - gegen mich selbst gerichtet. Ich habe mich verurteilt, anstatt zu sagen: Ich bin wütend. Meine Wut trat vor allem dann hervor, wenn ich Ungerechtigkeit verortete. Seit ich meine Wut akzeptiere und sie nicht mehr bekämpfe, lebe ich dankbarer und ausgeglichener.
Und noch etwas zum Schluss
Die Furien waren Urgewalten der Gerechtigkeit. Dass sie einen schlechten Ruf haben, liegt nicht an ihrer Grausamkeit, sondern daran, dass sie weiblich und wütend waren - und das weder früher noch heute gern gesehen wird. Was für eine Schande.
Gestaltung
- Elisabeth Weilenmann
