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Punkt eins
Iran: Wie fest sitzt das Regime noch im Sattel?
Unklare Botschaften zu Kriegszielen. Gast: Gilda Sahebi, deutsch-iranische Journalistin, Autorin, Podcasterin. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
9. März 2026, 13:00
Der angegriffene Iran schlägt weiter wild um sich: Drohnen und Raketen landen seit einer Woche in Israel, Aserbaidschan und den reichen Nachbarländern Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrain und Saudi-Arabien. Die Türkei hat eine iranische Rakete mit dem Ziel Zypern abgefangen. Das Alltagsleben in Städten wie Jerusalem, Tel Aviv und Haifa ist unterdessen durch iranische Raketenangriffe Großteils lahmgelegt worden, berichtet ORF-Korrespondent Nikolaus Wildner und deutet die "strategische Sackgasse" an, in die die USA und Israel laufen könnten, wenn der Allianz "die Ziele ausgehen" und das iranische Regime die Angriffswellen einfach aussitzt.
Das Regime werde alles tun, um an der Macht zu bleiben, sagt die deutsch-iranische Journalistin Gilda Sahebi in einer Diskussion im ARD / ZDF-Kanal "phoenix". Denn es gehe auch um viel Geld, nämlich um rund 100 Milliarden US-Dollar-Stiftungsvermögen, auf dem der getötete Ali Chamenei und seine Familie sitzen.
Schon jetzt würden die Menschen auf Schritt und Tritt durch Gesichtserkennungssoftware aus Russland überwacht und bekämen Kurznachrichten des Regimes auf ihre Mobiltelefone: unverhohlene Drohungen, nicht auf die Straße zu gehen. Wer es dennoch tut, riskiert sein Leben angesichts der gewalttätigen, regimetreuen Basidsch-Milizen.
Unterdessen ist weiterhin unklar, welche Kriegsziele die USA und Israel haben: Offiziell scheint es Israel um das Ausschalten der iranischen Bedrohung durch das Atom- und Raketenprogramm zu gehen; aus Washington kommen widersprüchliche Signale, zuletzt hieß es von US-Präsident Donald Trump, er müsse bei der Auswahl der neuen iranischen Führung mitreden.
"Man kann Trumps Narzissmus zu Recht abstoßend finden, die Lauterkeit seiner Motive bezweifeln und seine unbedingte Liebe zur amerikanischen Demokratie infrage stellen", kommentiert der Berliner "Tagesspiegel". "Aber man wird kaum bestreiten können, dass für viele Iranerinnen und Iraner die neue Lage eine Chance eröffnet, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Zusammen mit den USA, Israel und den benachbarten arabischen Verbündeten sollte Europa jetzt alles dafür tun, damit aus dieser Chance eine neue Wirklichkeit wird."
Und die Salzburger Nachrichten merken an: "Was machen die Europäer? Die ringen wieder einmal darum, wie sie auf den Konflikt angemessen reagieren. In Planung oder gar Ausführung wurden sie nicht eingebunden. So blieb es bei Appellen von der Seitenlinie."
Immer schwächer wird indes in diesem Krieg der Ruf, das Völkerrecht zu respektieren: "Auf höchstem politischen Parkett retten sich viele wie die EU-Spitzen in der allgemein formulierten Forderung, man möge das Völkerrecht achten", schreibt etwa der "Standard": "Dass dieses aber durch die Attacken auf das Mullah-Regime verletzt wurde, trauen sich nur wenige zu sagen. Deutschlands Kanzler Friedrich Merz meinte dazu, dass jetzt nicht die Zeit für Belehrungen' sei."
Alexander Musik diskutiert mit der deutsch-iranischen Journalistin, Autorin und Podcasterin Gilda Sahebi über die Situation im Iran, mögliche Entwicklungen des Krieges und die Chancen für einen Regimewechsel.
Wie immer sind Sie eingeladen mitzudiskutieren: Wie fest sitzt das Regime in Teheran noch im Sattel? Welche Chancen hat der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, den Iran zu regieren - und zu einen? Was wollen die Iranerinnen und Iraner und wie geht es ihnen, im Iran, im Exil und in der Diaspora?
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