Miriam Makeba

APA-IMAGES/TOPFOTO

Gedanken für den Tag

Miriam Makeba - Versöhnung ohne Amnesie

Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseum Hittisau im Bregenzerwald, über Frauen in der Versöhnungsarbeit

Im Rahmen unserer Reihe PFORTE IM FRAUENMUSEUM kam kürzlich ein Tribut an Miriam Makeba zur Aufführung - mit jungen Musiker:innen aus Kolumbien, Südafrika und Europa. Verschiedene Sprachen, unterschiedliche Klangwelten - und doch eine gemeinsame Haltung.

Da wurde mir wieder bewusst, wie politisch Musik sein kann. Wie sehr sie verbindet. Und wie sie Erinnerung trägt - über Kontinente hinweg. Auch Miriam Makeba sang in vielen Sprachen: auf Xhosa und Zulu, in Swahili und Englisch. Jede Sprache trug eine Geschichte. Jede war Ausdruck von Zugehörigkeit - und von Widerstand.

Miriam Makeba war mehr als eine Sängerin. Sie war eine Chronistin der Apartheid, eine Botschafterin ihres Landes im Exil. Und eine Frau, die ihre Stimme nie von der Politik trennte. Nachdem sie sich offen gegen das südafrikanische Regime gestellt hatte, wurde sie zur Persona non grata erklärt. Ihr Reisepass wurde eingezogen, ihre Staatsbürgerschaft aberkannt. Drei Jahrzehnte lebte sie im Exil. Doch sie schwieg nicht. 1963 sprach sie vor den Vereinten Nationen über die Gewalt des Apartheidregimes. Ihre Lieder - "Soweto Blues", die südafrikanische Hymne "Nkosi Sikelel' iAfrika" - wurden zu Klang gewordenen Anklagen. Aber sie waren nie nur Protest. Sie waren auch Stolz. Identität. Würde.

Was mich an ihr besonders berührt: Miriam Makeba hat nie zur Vergeltung aufgerufen. Ihre Kunst war kein Ruf nach Rache, sondern nach Gerechtigkeit. Eine Form kultureller Versöhnung - ohne Amnesie. Sie zeigte: Man kann erinnern, ohne zu verhärten. Man kann vergeben, ohne zu verharmlosen. Nach dem Ende der Apartheid kehrte sie zurück nach Südafrika. Ihre Stimme blieb politisch - gegen Armut, gegen Gewalt, gegen Ungleichheit. Miriam Makebas Geschichte zeigt, dass Versöhnung nicht nur an Verhandlungstischen entsteht. Manchmal beginnt sie auf einer Bühne. Mit einer Stimme. Mit einem Lied.

Service

Frauenmuseum Hittisau

Podcast abonnieren

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Stanley Todd
Komponist/Komponistin: Hugh Masekela
Album: WELELA
Titel: Soweto blues
Solist/Solistin: Miriam Makeba
Länge: 01:00 min
Label: Philips 8382082

weiteren Inhalt einblenden