Diagonal

Diagonal zur Person: Nikolaus Harnoncourt (1929-2016)

Was bleibt vom Dirigenten und Musiker Nikolaus Harnoncourt? Zu Praxis, Prinzipien und Programm eines Visionärs in der Musikwelt.

Nikolaus Harnoncourt hat die Konventionen und das künstlerische Verständnis klassischer Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so gründlich herausgefordert wie kaum ein anderer Musiker. Geboren 1929 in Berlin in eine traditionsreiche österreichische Familie - sein adeliger Name: Graf Johann Nikolaus de la Fontaine und d'Harnoncourt-Unverzagt - revolutioniert er ab den 1950er Jahren zunächst die Interpretation Alter Musik.
Berühmt und umstritten wird seine Kritik an der gängigen Interpretation der Musik Mozarts als liebliches Rokoko - nicht zufällig in der Nazizeit so gefördert, wie Harnoncourt in seiner Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen 1995 erklärt, und nach dem Krieg lange beibehalten. Neue Maßstäbe setzen Harnoncourt und seine Ehefrau Alice, Violinistin und Managerin des gemeinsamen Ensembles Concentus Musicus, aber auch mit einer Gesamtaufnahme der über 200 Kantaten von Johann Sebastian Bach und Aufführungen zahlreicher weiterer Werke.
Über die eigene musikalische Tätigkeit hinaus - als (Orchester-)Cellist und Ensembleleiter, dann als Dirigent führender Orchester und Opernhäuser - war Nikolaus Harnoncourt Lehrer und Theoretiker. Im Unterricht am Mozarteum Salzburg, in Reden und Essays wie "Musik als Klangrede. Wege zu einem neuen Musikverständnis" beschreibt er eine Auffassung von Kunst, die auch grundsätzliche Fragen der Bildungs- und Kulturpolitik betreffen.
Was bleibt von Harnoncourts Werk - und seinen Ideen? Wie lässt sich beides im Rückblick einordnen: revolutionär oder doch konservativ, möglicherweise beides? Sind seine Reformen in den musikalischen Mainstream übernommen worden - oder werden sie langsam wieder vergessen?
Eine aktuelle Forschungsarbeit des Nikolaus-Harnoncourt-Zentrums an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz gilt der Digitalisierung und Auswertung seiner Notizen beim Erarbeiten von Werken und führt in Harnoncourts Gedankenwelt. Außerdem in dieser Sendung: ein bisher unveröffentlichtes Interview mit Harnoncourt aus dem Mozart-Jahr 2006 und Höhepunkte eines "Diagonal zur Person" vor rund 26 Jahren, zu Harnoncourts 70. Geburtstag.
Hans Georg Nicklaus und Johann Kneihs führen durch die Sendung und das reflektierende Gespräch mit (Harnoncourt-)Fachleuten verschiedener Bereiche.

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