Monika Rittershaus
Opernabend - Aus dem Theater an der Wien
Pablo Luna: "Benamor"
Mit Marina Monzó (Benamor), Federico Fiorio (Dario), Sofia Esparza (Nitetis), Milagros Martin (Pantea), David Alegret (Abedul), David Oller (Juan de León), Alejandro Balinas Vieites (Rajah-Tabla), César Arrieta (Jacinto / Eunuco / Elohim), Francisco J. Sanchez (Alifafe), Joselu Lopez (Babilon) und Nuria Pérez (Cachemira)
Arnold Schoenberg Chor, ORF Radio-Symphonieorchester Wien; Dirigent: José Miguel Pérez-Sierra
(aufgenommen am 23. und 25. Jänner 2026 im Theater an der Wien)
31. Jänner 2026, 19:30
Brombeerhecken überwuchern jene Gegend in der Nähe von Madrid, in der König Philipp IV. von Spanien im 17. Jahrhundert sein Jagdschloss unterhält. In der kargen Landschaft fern der Großstadt sucht die Jagdgesellschaft Zerstreuung: Theaterstücke mit mythologischen oder pastoralen Themen, mit gesprochenen Dialogen in spanischer Sprache und opernähnlichen Arien, mit populären Liedern und bekannten Tänzen sollen das adelige Publikum unterhalten. Daraus etabliert sich bald eine für ganz Spanien typische Form des Musiktheaters. "Zarzas" sind die Brombeerhecken, und die Zarzuela ist dort geboren.
Im Lauf der folgenden Jahrhunderte wandelt sich die Zarzuela viele Male: Sowohl die italienische Oper als auch die französische Opéra-comique verändern den Umgang mit Musik und Dramaturgie. Zur Jahrhundertwende in das 20. Jahrhundert beleben Operette, Musicals und Jazz die Zarzuela neu. Junge Komponisten wie Amadeo Vives und Pablo Luna werden von Werken von Franz Lehár und Ernest Irving inspiriert und lassen die neuesten Modetänze aus Übersee in ihre Werke einfließen. 1916 wird Pablo Lunas Zarzuela "El asombro de Damasco" uraufgeführt. Es ist die erste einer ganzen Reihe an Zarzuelas, die im Orient angesiedelt sind. Es folgen "El niño judío" und 1923 schließlich "Benamor".
Prinzessin Benamors Schicksal ist eng mit dem ihres Bruders Darío verbunden: Beide wurden, um sie vor dem Tod zu bewahren, ohne ihr Wissen im jeweils anderen Geschlecht erzogen. Trotz dieses gut gehüteten Geheimnisses ahnen die Geschwister, dass da etwas nicht stimmt: Spätestens, als sich die Prinzessin für keinen ihrer drei Brautwerber erwärmen kann und Daríos Haremsdamen vor Einsamkeit vergehen, wird die Sache langsam verdächtig.
Es kommt, wie es kommen muss: Darío entflammt für den spanischen Brautwerber Juan de León und sieht sich mit widersprüchlichen Gefühlen konfrontiert. Benamor hingegen ist von der Sklavin Nitetis hingerissen. Von ihrer Verwirrung werden die Geschwister erst erlöst, als endlich die Wahrheit ans Licht kommt.
Pablo Luna setzt in "Benamor" die Tradition der Zarzuela fort, indem er traditionelle Elemente mit modernen musikalischen Ausdrucksformen verknüpft. Spanische Rhythmen und Lieder - wie Juan de Leóns patriotische Arie "País de Sol" - haben ebenso ihren Platz wie Shimmy und Foxtrott, die frivolen Modetänze der 1920er Jahre aus den USA. Den zweiten und dritten Akt trennt der berühmte "Danza del fuego", und als am Ende Darío und Juan de León zueinanderfinden, geschieht das im Dreivierteltakt der Wiener Operette. Mit diesem abwechslungsreichen Spiel der musikalischen Formen und humorvollen Dialoge schließt sich der Kreis der Zarzuela, die zwischen Brombeerhecken geboren wurde und sich seitdem immer wieder neu erfunden hat.
Text: Anna Jagenbrein
