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Punkt eins
Zur Debatte um Atomwaffen
Nukleare Abschreckung und existenzielle Bedrohung: Geschichte und Gegenwart der Atombombe. Gast: Univ. Prof. Dr. Georg Steinhauser, Chemiker, Radioökologe, Leiter der Forschungsgruppe Angewandte Radiochemie, Fakultät für Technische Chemie und TRIGA Center Atominstitut, TU Wien. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
23. Februar 2026, 13:00
Wie kann Europa seine nukleare Verteidigung sichern, wenn US-Präsident Donald Trump die Unterstützung der NATO-Verbündeten immer wieder in Frage stellt? Wie viel Abschreckung ist nötig, wenn Putin immer wieder mit dem Einsatz von Atomwaffen droht? Braucht es eigene Atombomben für Europa? Debatten um die atomare Abschreckung werden gegenwärtig nicht nur in Europa geführt, auch in Japan, Südkorea, Saudi-Arabien und der Türkei. Das Friedensforschungsinstitut SIPRI sieht die Welt in einer "neuen Ära der Bedrohung".
Die Ausganslage heute ist eine andere als zum Höhepunkt des Kalten Krieges, in dem Nuklearwaffen zum zentralen Instrument der Abschreckung wurden und zur globalen Bedrohung: Damals gab es zwei Supermächte und eine Gesprächsbasis, heute besitzen neun Staaten Atomwaffen: die fünf durch den Atomwaffensperrvertrag anerkannten Atommächte USA und Russland - sie besitzen gemeinsam geschätzt 90 Prozent der Atomwaffen weltweit - das Vereinigte Königreich, Frankreich und China, das in der Produktion stark aufholt, und die vier De-facto-Atomwaffenstaaten Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea. Iran steht wegen des möglichen Baus einer Atombombe immer wieder international in der Kritik, aktuell droht der Streit um das Atomprogramm mit den USA zu eskalieren. Die nukleare Bedrohungslage scheint heute diffuser, auch weil Rüstungskontrollabkommen wie jüngst das New-Start-Abkommen nicht verlängert wurden.
Das Schicksal der Ukraine, die einst das drittgrößte Atomwaffenarsenal der Welt besaß, auf dieses aber im Tausch gegen Sicherheitsgarantien von Russland und den USA 1994 im Budapester Memorandum verzichtet hatte, ist diesbezüglich vielen Staaten ein mahnendes Beispiel: 2001 soll die letzte Atomwaffe das Land verlassen haben, 2014 besetzte Russland die Krim - der vertraglichen Achtung der Souveränität der Ukraine zum Trotz, 2022 begann Russland den völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine. Einmal mehr werden heute Gedankenspiele diskutiert: Wäre das auch passiert, wenn die Ukraine eine Atommacht geblieben wäre?
In der Diskussion, ob ausgerechnet die schlimmste Waffe für Frieden sorgen können solle oder die Existenz von Atomwaffen an sich eine existenzielle Bedrohung ist, sind die Fortschritte in der weltweiten Abrüstung aktuell stark gefährdet. Noch 2021 freuten sich Menschen weltweit über einen Meilenstein der Abrüstung, den Atomwaffenverbotsvertrag, auch wenn er für Kritiker nur symbolischen Wert hat, da keine Atommacht und auch kein NATO-Staat den Vertrag unterzeichnet hatten.
Die Debatte um Abrüstung ist indes fast so alt wie die Atombombe selbst, sagt der Chemiker und Radioökologe Georg Steinhauser. Der Universitätsprofessor für Radiochemie an der TU Wien befasst sich unter anderem mit den Grundlagen und der Geschichte der Entwicklung der Kernwaffen ebenso wie mit dem Erbe der Atomwaffentests. Er hat in Los Alamos geforscht, dem "nuklearen Herzen der USA", wo in den 1940er Jahren das Manhattan-Kernwaffenprojekt unter J. Robert Oppenheimer begonnen wurde. Als die Sowjetunion mit Hilfe eines Spions in der Lage war, selbst ein Atomwaffenprogramm auf die Beine zu stellen, gab es kein Zurück mehr, sagt Georg Steinhauer.
Wo stehen wir jetzt und was sind die Perspektiven? Wovon sprechen wir, wenn allgemein von Atomwaffen die Rede ist? Welche Abkommen und Verträge regeln den Besitz und Umgang mit Atomwaffen? Wie ist die Lage im Atomstreit mit dem Iran zu beurteilen und was sind die Voraussetzungen für den Bau einer Atombombe?
Georg Steinhauser ist zu Gast bei Barbara Zeithammer und gibt Einblicke in Grundlagen, Geschichte und Gegenwart der Atomwaffen und wie immer können Sie sich mit Ihren Fragen an der Sendung beteiligen: Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie an punkteins(at)orf.at
Sendereihe
Gestaltung
- Barbara Zeithammer
