Cardi B und Megan Thee Stallion

AP/CHARLES SYKES

Radiokolleg

100 Songs: Geschichte wird gemacht (4)

Cardi B, Megan Thee Stallion - WAP (USA, 2020)

Ein tiefer Spalt wurde 2020 einmal mehr sichtbar, als die Rapperinnen Cardi B und Megan The Stallion ihr Duett "WAP" - kurz für 'Wet Ass Pussy' veröffentlichten. In Amerika, aber auch den Feuilletons weltweit, wurde der unverfroren explizite Song sehr kontrovers diskutiert. Die einen sahen darin eine Selbstermächtigung starker, schwarzer Frauen, die das taten, was ihre männlichen Rap-Kollegen schon längst taten - nämlich die Macht des eigenen Geschlechtsorgans zu feiern -, andere sahen in dem Song einmal mehr den Verfall einer liberalen Kultur, die außer gottlosen Obszönitäten und voyeuristischer Identitätspolitik nichts zu bieten hätte. Dabei wurde der Song im ersten Corona-Sommer veröffentlicht, in dem sich Menschen weltweit nach menschlicher Nähe und auch Sex sehnen mussten. Gig-Economy-Plattformen für pornografische Inhalte hatten in dieser Pandemie-Phase enormen Zulauf, zeitgleich belegten Studien, dass junge Erwachsene in den USA schon vorher noch nie so wenig Sex hatten. "WAP" war insofern nicht nur ein Meilenstein sexueller Selbstbestimmung, sondern auch das Markenzeichen einer Gesellschaft, die ihre Lust an Sex verloren hatte.

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  • Stefan Niederwieser