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Punkt eins
Die Turbulenzen am Ölmarkt und ihre Folgen
Schmiermittel der Weltwirtschaft, Machtinstrument der Geopolitik. Gast: Johannes Benigni, Direktor Energie & Politik, JBC Vienna GmbH, Beratung, Energiemarktanalyse, Risikomanagement. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
20. März 2026, 13:00
"Wo Tanken in Europa am teuersten ist." "Wie stark die Spritpreise noch steigen." "So teuer wird das Heizen mit Erdgas!" "Ist Diesel für zwei Euro wirklich zu teuer?"
"Die Herausforderungen auf dem Ölmarkt sind größer als alles, was wir bisher gesehen haben", sagt der Chef der Internationalen Energieagentur IEA. Der Ölmarkt erlebe derzeit einen historischen Preisschock, sagen Experten, aber auch eine Umstrukturierung der globalen Ölströme. Öl ist heute ein geopolitisches Machtinstrument.
In der dritten Woche des Iran-Kriegs haben zahlreiche Staaten und Institutionen auf die gravierenden Auswirkungen im Öl- und Gasmarkt reagiert: Spritpreisbremse und Margeneingriffe in Österreich ab 1. April, Gewinndeckelungen in Griechenland, eine Stärkung der kartellrechtlichen Missbrauchsaufsicht in Deutschland, Viertagewochen in mehreren Ländern Asiens, Einschränkungen des Treibstoff-Verkaufs in der Slowakei. Die Energiepreise waren das bestimmende Thema der zahlreichen EU-Ministertreffen diese Woche und des EU-Gipfel am Donnerstag. Die EZB steht am Donnerstag vor einer schwierigen Sitzung; die US-Notenbank Fed hat auf den steigenden Ölpreis nicht reagiert. Doch was die Auswirkungen der Krise sein werden, wisse niemand, warnte Fed-Chef Powell.
Die Mitglieder der IEA hatten am 11. März die bisher größte Freigabe von Notfallvorräten in ihrer Geschichte beschlossen, doch die jüngsten US-Angriffe auf die iranische Öl-Exportinsel Charg, das weltweit größte Gasfeld Sout Pars im Iran und Gegenangriffe auf die weltgrößte Anlage für LNG (verflüssigtes Erdgas) in Katar in der Nacht auf Donnerstag, lassen eine weitere Eskalation des Krieges befürchten. Russland profitiert von den gelockerten Sanktionen und die USA, weltgrößter Ölproduzent - Motto: "Drill, Baby, drill" - ordnen den Ölmarkt neu, liest man in Analysen, es geht um globale Energiedominanz.
Bereits zu Jahresbeginn kam es nach der US-Militäroperation in Venezuela zu Turbulenzen auf den Ölmärkten. Schlagzeilen machte jüngst Kuba, von der US-Ölblockade inzwischen schwer getroffen; am Dienstag sprach Trump von einer möglichen "Übernahme". Den Iran will Trump nach eigenen Worten zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus zwingen, jener wichtigen Meerenge, die als "Arterie des Welthandels" gilt und deren de facto Blockade durch den Iran den Ölmarkt in Turbulenzen stürzt.
Diese Turbulenzen machen weltweite Abhängigkeiten und Zusammenhänge deutlich. Der Ölmarkt scheint die Weltwirtschaft, die Entwicklung der Inflation, die Stabilität von Währungen und die Geopolitik fest in der Hand zu haben, allen Umweltbedenken, der Energiewende und den Klimazielen zum Trotz.
Wie kommen die Ölpreise zustande, wie kann der Iran den Ölmarkt derart im Würgegriff halten und hat Donald Trump die Reaktion der Ölmärkte unterschätzt? Wer sind die größten Ölproduzenten, welche Transportwege gibt es und welche Organisationen beherrschen den Markt? Was sind die Erfahrungen aus früheren Ölpreisschocks und Krisen, in denen die Preise weit drastischer gestiegen sind? Sind Preiseingriffe zum jetzigen Zeitpunkt nötig, wenn Preise doch auch eine Steuerungsfunktion erfüllen? Sollten Staaten die gegenwärtige Krise als Weckruf verstehen, die starke Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren? Und wie werden sich die Preise entwickeln?
Die Schlüsselfrage ist, wie die Marktteilnehmer die Lage einschätzen, sagt Johannes Benigni, der bei JBC Vienna Unternehmen, Regierungen und Organisationen im Bereich Strategie, Energiemärkte, Energy Transition und Risikomanagements berät. Werden weiter Ölanlagen und Energieinfrastrukturen beschädigt, "wäre die jetzige Situation erst ein Vorspiel." Mit den Angriffen und Gegenangriffen auf die Energieindustrie und Schlüsselstellen der Weltwirtschaft wie das Gasfeld South Pars und Katars LNG-Produktion befinden wir uns bereits in Eskalationsstufe zwei, sagt Johannes Benigni, mit nachhaltigeren Gaspreis Steigerungen. Auch der Druck auf andere Industrien wächst.
Wissenswertes über den Öl- und Gasmarkt, die Dynamiken und Preisentwicklungen erläutert Johannes Benigni als Gast von Barbara Zeithammer in Punkt eins und Sie, unsere Hörerinnen und Hörer, sind wie immer herzlich eingeladen, mitzureden: Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
Sendereihe
Gestaltung
- Barbara Zeithammer
