Zwischenruf
Das Element, das Leben spendet
von Marco Uschmann, evangelischer Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit
22. März 2026, 06:55
Die meisten von uns haben heute schon geduscht und wahrscheinlich einen Kaffee oder Tee gekocht. Alles normale Routine, kein großer Aufwand. Und doch ist das absolut nicht selbstverständlich. Denn zu all dem braucht man Wasser.
In Österreich steht genügend gutes, reines Trinkwasser ausreichend zur Verfügung. Hahn aufgedreht, und das kostbare Nass sprudelt heraus. Soviel wir wollen. Das ist nicht überall so. Etwa 26% der Menschen haben laut UN-Bericht keinen Zugang zu sauberem Wasser. Heute am Weltwassertag muss ich daran denken, wie es mir ergangen ist, als wir einen Wasserrohrbruch in meiner Straße hatten und einige Tage mit einem Wasserwagen versorgt wurden. Mühsam.
Wie wichtig Wasser ist, weiß auch die Bibel. Schon auf Seite eins kommt der Lebensquell vor, wenn "Gottes Geist über dem Wasser schwebt", und im Garten Eden fließen Flüsse. Davon erzählt übrigens auch der Koran. Und Wasser ist das Element, aus dem, laut Koran, alles Erschaffene hervorgeht. Die Gebetswaschung mit Wasser braucht es im Islam, um den Körper von ritueller Unreinheit zu befreien und sich geistig auf das Gebet vorzubereiten. Im Buddhismus symbolisiert Wasser die stetige Veränderung, denn niemand kann je zweimal in denselben Fluss steigen, weil er immer anders ist. Im Christentum wieder braucht es nicht zuletzt für die Taufe ja auch Wasser. Sie ist laut christlicher Überzeugung der Beginn einer besonderen Beziehung von Gott und Mensch. Und sie soll von Sünden reinwaschen. Der lebenspendende und reinigende Charakter des Wassers schwingt also auch hier mit.
Immer wieder erzählt die Bibel von Segen und Macht des Wassers. So teilt Moses, eigentlich ja Gott (denn es ist seine Macht, nicht die menschliche) das Rote Meer: um die Israeliten zu retten. Und wenn Jesus den Sturm und die Fluten bändigt, dann will die Bibel damit erzählen, dass Gottes Sohn über diesen Mächten steht. Und schließlich bezeichnet er selbst sich ja als Quelle des "lebendigen Wassers", das den inneren Durst des Menschen stillt und zu ewigem Leben führt.
Aber dass Wasser auch gefährlich sein kann, erleben Menschen zunehmend, wenn Flüsse über ihre Ufer treten, Wasser ganze Landstriche überflutet und an den Meeresküsten Sturmfluten Haus und Hof verwüsten. Der Klimawandel beeinflusst natürlich auch den Wasserkreislauf - sei es bei den ansteigenden Meeresspiegeln, den über die Ufer tretenden Flüssen - oder wenn das Wasser ausbleibt und Landstriche unter Wassermangel leiden. Ohne Wasser geht nichts, kann kein Leben existieren. Umso wichtiger, dass wir dem vermeintlich so selbstverständlichen Nass mehr Aufmerksamkeit schenken.
Wasser ist etwas ganz Besonderes. Unser Planet besteht zu etwa 70 Prozent aus Wasser, deswegen nennen wir ihn den "blauen Planteten", und nicht zuletzt besteht der Mensch ja zu knapp zwei Dritteln aus Wasser. All das zeigt, wie wichtig Wasser ist. Für die Menschen und für alle Lebewesen. Vielleicht ein Grund, einmal auf den eigenen Wasserverbrauch zu schauen. Und vom Kaffee oder Tee noch einen Schluck bewusst zu genießen. Heute am Weltwassertag.
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Franz Liszt
Album: FRANZ LISZT: KLAVIERWERKE - Jorge Bolet
Titel: Les jeux d'eau a la Villa d'Este - Nr.4 aus "Annees de Pelerinage" - Zyklus für Klavier, Troisieme Annee : Italie
Anderssprachiger Titel: Die Wasserspiele der Villa d'Este "Jahre der Pilgerschaft", drittes (3.) Jahr: "Italien"
Solist/Solistin: Jorge Bolet /Klavier
Länge: 07:51 min
Label: Decca 4118032
