ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Punkt eins
Ein ORF für alle?
Öffentlich-rechtliche Medien in der Diskussion: Auftrag - Anspruch - Wirklichkeit. Gäste: Dr. Maren Beaufort, Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung, ÖAW & Dr. Jakob-Moritz Eberl, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
23. März 2026, 13:00
Wir haben wieder eine ORF-Debatte. Oder mehrere. Nach dem Rücktritt des vormaligen Generaldirektors "brechen lange schwärende Eiterbeulen auf", dichtete der Chefredakteur der "Kronen Zeitung": Intrigen, überzogene Gagen, Partei- und Regierungseinfluss - und dass "die Politik nicht verstehen will, dass der ORF nicht ihr gehört, sondern uns, den Gebührenzahlern". Der Innenpolitik-Chef der "Presse" schien in seinem Leitartikel den öffentlichen Rundfunk gleich mit einem "staatlichen" gleichzustellen, und meinte, die Welt und die Demokratie würde auch ohne einen solchen "nicht gleich untergehen".
Brauchen wir einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Und wenn ja, wofür? Information, Demokratiebewusstsein, österreichische und europäische Identität, Kunst, Kultur, Wissenschaft, Sport, Unterhaltung, Bildung, Umwelt, Gesundheits- und Wirtschaftskompetenz, Sicherheit, Inklusion und Diversität zum Beispiel? Das sind, etwas grob zusammengefasst, die Ziffern des öffentlich-rechtlichen Kernauftrags im ORF-Gesetz.
Brauchen wir nicht, trommelte die FPÖ im vergangenen Jahr und erhielt nicht wenig Zuspruch dafür. Der Meinung waren auch Regierungen wie die von Ungarn oder Slowakei; die slowakische RTVS wurde 2024 per Gesetz aufgelöst und durch ein staatliches Medium ersetzt. Nach Viktor Orbáns "Umstrukturierung" verlor eine vierstellige Zahl von redaktionellen Mitarbeiter:innen ihren Job.
In Slowenien dagegen wurde 2022 ein Gesetz verabschiedet, das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entpolitisieren sollte - etwa bei der Besetzung der Aufsichtsgremien. Eine direkte Reaktion auf Einfärbungs- und Interventionsversuche des ehemaligen Regierungschefs Janez Jansa. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk falle an die Öffentlichkeit zurück", zitierte die "Presse" damals den slowenischen Journalist:innenverband und schrieb darüber: "Vorbild für ORF?"
Die Novelle wurde in einer Volksbefragung bestätigt, ihre Rechtmäßigkeit aber auch bis zum Verfassungsgerichtshof in Zweifel gezogen. Nun stimmte auch in der Schweiz die Bevölkerung mit 62 Prozent gegen den Vorschlag, die Rundfunkgebühr zu halbieren. Sie bleibt damit eine der höchsten weltweit. Unabhängige, seriöse, verlässliche und allen verpflichtete Medien können einem also schon etwas wert sein - wenn man überzeugt ist, dass sie ihrem Auftrag und Anspruch auch gerecht werden.
Wie kann das dem ORF in Zukunft gelingen - in Zeiten der Polarisierung, der Digitalisierung, in einer Medienlandschaft gemeinsam mit privaten, freien und sozialen Medien? Welche Art von Finanzierung, Struktur, technischer und inhaltlicher Ausrichtung ist nötig, und welche Modelle gibt es dafür? Wie bekommt die Öffentlichkeit ihre öffentlich-rechtlichen Medien (zurück)?
Zu Gast bei Xaver Forthuber sind Maren Beaufort, die an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum Mediensystem, seinen Funktionen und seiner Nutzung forscht; und der Medien- und Demokratieforscher Jakob-Moritz Eberl, der sich an der Universität Wien unter anderem mit der Wechselwirkung zwischen Medien, öffentlicher Meinung und unserem politischen Handeln beschäftigt.
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Sendereihe
Gestaltung
- Xaver Forthuber
