Radiogeschichten
Kindheit in der Berliner Männer-Kommune
"Mit beiden Händen den Himmel stützen" von Lilli Tollkien. Es liest Eva Mayer.
24. März 2026, 11:05
Lale wächst in den 1980er Jahren ohne Mutter in einer linken Kreuzberger Männer-Kommune auf. Ihre Mutter ist drogensüchtig, der Vater im Gefängnis wegen eines Bankraubs, den er im Dunstkreis der RAF begangen hat. Weit entfernt von bürgerlichen Erziehungsmethoden ist ihre Kindheit früh geprägt durch Drogen, Alkohol und sexuellen Missbrauch. Es werden Partys gefeiert und Revolutionen geplant, Unverlässlichkeit gehört zum guten, libertären Ton. Lale darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht sie ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr Debütroman.
Service
Lilli Tollkien, "Mit beiden Händen den Himmel stützen", Aufbau Verlag, 2026
