Tina Walzer

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Salomon Sulzer

von Tina Walzer, Historikerin, Autorin und Leiterin der Redaktion der jüdischen Kulturzeitschrift DAVID

Mit dem Josephinismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der in Wien mit der jüdischen Aufklärung zusammenfällt, erlahmt das Interesse der jungen Jüdinnen und Juden an Tradition.

Jetzt gibt es zwar eine große Synagoge, ein Gebäude nach dem letzten Schrei, aber für wen? Wie soll man die jungen Leute dafür interessieren, damit nicht nur ein paar Alte das neue G'tteshaus mehr schlecht als recht füllen? Der Wiener Ritus entsteht, ein typisches Produkt dieser Stadt, ein Kompromiss - ein bisschen Reform, aber nicht zu viel.

Diese gemäßigte Form der Liturgie und der traditionellen Synagogalmusik fördert eine ästhetisch ansprechende Musik. Die Liturgie wird leicht gekürzt, mit Predigt in deutscher Sprache; Hebräisch gibt es nur mehr für die traditionellen Gebetstexte. Diese neue Art des Gottesdienstes unterscheidet sich zwar von den gängigen Bräuchen, hält aber die traditionellen jüdischen Gesetze ein. Damit gelingt es, den Stadttempel mit Alt und Jung bis auf den letzten Platz zu füllen.

Der neue Kantor Salomon Sulzer ist ein berühmter Sänger, Musiker und Komponist der Wiener Klassik. Er stammt aus Hohenems und kommt mit 22 Jahren nach Wien, knüpft Freundschaften zu anderen Komponisten, vor allem zu Franz Schubert, der für ihn Psalm 92 vertont. In seinem Knabenchor bildet er die Kinder musikalisch aus, auch ein Harmonium wird angeschafft für die Synagoge. Sulzers außergewöhnlich schöne Stimme und vollendete Gesangstechnik werden oft gerühmt, er tritt auch bei Konzerten auf, er singt Schubert-Lieder, begleitet von Franz Liszt am Klavier, selbst vor Kaiser Ferdinand I.

Sulzers Synagogenmusik wird bis heute vor allem in den amerikanischen jüdischen Gemeinden gespielt. Dort sind seine Werke heute viel bekannter als in Österreich.

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Komponist/Komponistin: Salomon Sulzer/1804-1890
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Psalm 133, Heilige Schrift/Altes Testament
KM: Psalm 2004 - Sacred Bridges - 20040412
Titel: Hineih mah tov
Untertitel: Psalm 133 für Bariton, gemischten Chor und Klavier <15>
* (Appl.: 2.32) <16>
Anderssprachiger Titel: Wie Lieblich ist's, wie herrlich schön
Solist/Solistin: Adrian Eröd /Bariton
Solist/Solistin: Eduard Kutrowatz /Klavier
Chor: Arnold-Schoenberg-Chor
Leitung: Erwin Ortner /Dirigent
Länge: 01:00 min
Label: DTÖ

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