Diagonal

Mehr privat als Staat. Diagonal über die Erbengesellschaft

Während die Schuldenberge der Staaten anwachsen, tun dies auch die über Generationen gehorteten Geldpolster von Privatleuten. Wie viele Erben verträgt die Demokratie?

Die deutsche Journalistin Julia Friedrichs dachte lange, sie und ihre Freunde seien "doch irgendwie alle gleich", bis der eine in sein eigenes "Townhaus" in einer guten Stadtgegend zog, der andere Inserate nach Dachgeschoßwohnungen durchkämmte und die dritte plötzlich ein Ferienhaus in Frankreich besaß. Wie machen die das, staunte die Mitdreißigerin und fand heraus: Sie alle sind Erben.

Das Buch, in dem die Journalistin sich mit dem Phänomen befasst, ist zehn Jahre alt ("Wir Erben"). Mittlerweile sind neue Studien erschienen ("Unverdiente Ungleichheit", 2025), und der Reichtum der Erben hat sich vergrößert. Laut Schätzungen werden in Österreich pro Jahr zwischen 15 und 20 Milliarden Euro an jüngere Generationen weitergegeben. Bis 2050 dürfte sich dieser Wert verdoppeln. Etwa die Hälfte davon gehen an zehn Prozent der Haushalte. An die reichsten zehn Prozent.

Seit 2008 steuerfrei, spielen Erbschaften und Schenkungen nicht nur eine enorme Rolle bei der Vermögensbildung. Ihr getreuliches Anwachsen - zu Gunsten ohnehin Gutgestellter - trägt auch zu großen Enttäuschungen bei. Sätze, wie "Leistung muss sich lohnen" und "Ohne Fleiß kein Preis", will niemand mehr hören. Kaum jemand aus der Gruppe der Nicht-Erben kann sich sicher sein, dass seine Nachkommen "es einmal besser haben" werden. Der Glaube an Gerechtigkeit, Fortschritt und "Zukunft" ist erlahmt.

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  • Andrea Hauer