Zwischenruf
Durch den Schmutz ins Licht wachsen
von Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts
29. März 2026, 06:55
Ich arbeite gerade an der Vorbereitung einer großen Tagung zum Thema Frieden - keine leichte Aufgabe derzeit. Dabei haben wir Künstlerinnen und Künstler gesucht, die weg von der Ellbogenmentalität, hin zur Gestaltung der Welt im Miteinander gehen. Die norwegische Sängerin Aurora gehört hier dazu.
"Alles bedeutet etwas für mich", singt sie im Lied "Everything Matters". "Du bist ein Teil der Morgendämmerung, wo das Licht aus der Dunkelheit kommt." Sie betont in ihrer künstlerischen Arbeit, dass die Welt nur in einem Zusammenschluss der guten Kräfte zum Besseren bewegt werden kann. Das mag manche überraschen, die DER Jugend wenig zutrauen. Auch das Lied "Just like a seed" "Genau wie ein Samen" gehört hier erwähnt. Die Sängerin Aurora will durch den Schmutz und Schatten ins Licht wachsen, wie eine junge Pflanze. Sie möchte, dass ihre Tränen kaputte Pflanzen bewässern können, Regen sein können, sodass sie weiterwachsen. Sie singt: "Füttere mich mit Wahrheit und Sonnenlicht."
Im Video des Songs sieht man eine kaputte Welt und liest den Spruch des Cree (Chief) eines indigenen Volkes:
"Wenn der letzte Baum gefällt
und der letzte Fisch gefangen
und der letzte Fluss vergiftet ist,
erst dann werden wir erkennen,
dass wir Geld nicht essen können."
Die Sängerin träumt von einer Welt, wo nichts mehr weh tut. Aber ihr Lied führt vom Traum wieder zurück in die Realität, die hart ist, in der sie aber Wege aufzeigt, wie Menschen darin leben können, damit umgehen können. "Ich jage dem Wunder nach, ich entwirre mich selbst. Durch Schmutz und Schatten wachse ich. Ich erreiche das Licht durch die Auseinandersetzung, Ringen, genau wie der Samen."
Ein kleines Beispiel aus dem Alltag einer jungen Studentin: Eine Tür ist zugegangen, der Professor wollte die Doktorarbeit nicht betreuen, fand das Thema nicht gut genug. Durch die viele Arbeit im Vorfeld kam die Studentin auf einen neuen Gedanken, den sie zu einem neuen Forschungsthema entwickelte. Und siehe da, es fand sich eine junge Professorin, die dieses Thema genau richtig fand. Eine neue Tür ist aufgegangen.
In vielen christlichen Kirchen wird heute der Palmsonntag gefeiert. Dieser Sonntag startet eine Woche, wo alle Facetten des Lebens von Freude über Trauer, Leid und Tod bis zum Sieg des Lebens über den Tod vorkommen. In der Karwoche und dann zu Ostern lesen Christinnen und Christen in der Bibel die Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus.
Das Bild vom Samen, der durch Schmutz und Schatten ins Licht wächst, ist hier gar nicht so fremd. Das Wort Hoffnung bekommt eine besondere Bedeutung. Hoffnung bedeutet, trotz aller Widerstände, an das Gute und das Erlösende zu glauben. Es ist eine Entwirrung, ein Entgegengehen dem Wunder Leben. Angesichts des täglichen Erlebens von Schrecken und Not mag das wie eine unerreichbare Utopie klingen. Doch ähnlich wie die Sängerin Aurora im Lied singt, ist es möglich, sich in kleinen Schritten zu entwirren, durch Schlamm und Schmutz zu wachsen und irgendwann - oh Wunder - das Licht zu sehen. Der Beitrag von jedem und jeder von uns hat einen Wert! Everything matters!
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Aurora
Komponist/Komponistin: Jamie Hartman
Komponist/Komponistin: Pomme
Gesamttitel: The Gods We Can Touch
Titel: Everything Matters
Ausführende: Aurora Feat. Pomme
Länge: 03:33 min
Label: UMD/ Vertigo Berlin 9705800160947
Komponist/Komponistin: Abigail Morris
Komponist/Komponistin: Georgia Davies
Komponist/Komponistin: Lizzie Mayland
Komponist/Komponistin: Emily Roberts
Komponist/Komponistin: Aurora Nishevci
Komponist/Komponistin: Casper Miles
Gesamttitel: From The Pyre
Titel: The Scythe
Ausführende: The Last Dinner Party
Länge: 04:45 min
Label: UMD/ Vertigo Berlin 9725800130894
