GABY BOHLE
Gedanken
Natalie Knapp, Philosophin und Publizistin
"Es ist vernünftig, Hoffnung zu haben". Natalie Knapp über Zeiten der Unsicherheit - und wie wir lernen können, diese wertzuschätzen.
29. März 2026, 09:05
"Eine Krise verlangt uns ab, uns von manchen Idealvorstellungen zu verabschieden, aber gleichzeitig ermöglicht sie die Erfahrung, dass wir das Leben auch dann noch gestalten können, wenn unsere schlimmsten Befürchtungen eingetroffen sind."
Die Philosophin und Publizistin Natalie Knapp plädiert in Büchern wie "Der unendliche Augenblick" dafür, Krisenzeiten nicht möglichst schnell hinter sich lassen zu wollen, sondern sie auf eine neue Art wertzuschätzen. Denn es seien Phasen, in denen das Leben mit besonderer Intensität spürbar werde. Sie könnten das schöpferische Potenzial des Menschen aktivieren und ihn Erfahrungen machen lassen, die in ruhigeren Jahren Halt und Richtung geben.
In der Wochenschrift "Die Zeit" wird die Mitte 50-Jährige als "Expertin der Zuversicht" bezeichnet. Unsicherheit ist für Knapp, die u.a. Gründungsmitglied des Berufsverbandes für philosophische Praxis ist, eine Voraussetzung für viele wertvolle Dinge: "Nehmen sie nur die Hoffnung. Gerade weil die Zukunft ungewiss ist, darf man Dinge erhoffen, die rational nicht erwartbar sind. Wäre die Zukunft festgelegt, gäbe es weder das Element der Hoffnung, noch hätten unsere Entscheidungen irgendeinen Sinn."
Service
Natalie Knapp: Der Quantensprung des Denkens, Rowohlt Verlag, 2011
Natalie Knapp: Kompass neues Denken, Rowohlt, 2013
Natalie Knapp: Der unendliche Augenblick, Rowohlt, 2015
