WILFRIED HÖSL
Matinee
Mahlers Symphonie der Tausend
Berliner Philharmoniker, Dirigent: Kirill Petrenko (aufgenommen am 17. Jänner in der Berliner Philharmonie)
29. März 2026, 12:10
Als "Symphonie, Oratorium, Musikdrama und Mysterium der Erlösung" zugleich charakterisierte Mahler selbst seine Achte, die sich als "Symphonie der Tausend" im Sprachgebrauch verankert hat. "Ich habe eben meine 8. vollendet. - Es ist das Größte, was ich bis jetzt gemacht habe, etwas, wogegen all meine anderen Werke nur wie Vorstufen wirken. ... Denk Dir, daß das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.", schrieb Gustav Mahler an Willem Mengelberg.
Die 8. Symphonie gilt als Ausnahmewerk in dieser Gattung. Mit einem gigantischen Apparat aus zwei Chören, einem Knabenchor, acht Solisten und einem Orchester von kolossaler Größe formt Mahler aus der außergewöhnlichen formalen Anlage eine monumentale Einheit. Auffallend ist neben der Zweisätzigkeit auch die besondere Bedeutung, die der Singstimme beigemessen wird: Die menschliche Stimme wird zum Instrument, welches die beiden scheinbar höchst unterschiedlichen Textgrundlagen miteinander vereint. Nachdem der mittelalterliche Pfingsthymnus "Veni creator spiritus" dem Komponisten zufolge die Idee von allumfassender Liebe, Gnade und Erlösung vermittelt, vermag es die Schlussszene aus Goethes "Faust II" schließlich, die Erfüllung der Sehnsucht zu bringen. Dem kraftvoll-Schöpferischen folgt im "Chorus mysticus" die Fülle der ewigen Liebe; wie bereits in früheren Symphonien schafft Mahler so eine Annäherung ans Kosmische. Dass der Komponist die Uraufführung kurze Zeit vor seinem Tod noch als letztes eigenes Werk selbst dirigierte, mystifiziert das Werk zusätzlich und erhebt es zum "Opus ultimum".
(Valentina Strobl)
