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Radiokolleg
Wie klingt das Mittelalter? (4)
Alte Musik neu belebt
2. April 2026, 09:45
Seit den 1950er-Jahren verschreiben sich Musiker und Musikerinnen dem historischen Klangerlebnis und der möglichst originalgetreuen Aufführung mittelalterlicher Musikstücke. Formationen wie die das 1977 gegründete Ensemble für frühe Musik Augsburg, das von Jordi Savall mitbegründete Ensemble Hespèrion XXI oder das international besetzte Ensemble Sequentia hauchen diesen Werken Leben ein. Auch Festivals wie die seit den 1980er-Jahren stattfindenden "Resonanzen" erfreuen sich großer Beliebtheit, um in die Klangwelten der Alten Musik einzutauchen. Doch jedes Konzert bleibt letztlich nur eine Vorstellung davon, wie die Aufführung eines mehrere Jahrhunderte alten Musikstücks aus dem Mittelalter stattgefunden haben könnte. Oder wie diese Musik in der Gegenwart klingen kann. Zeitgenössische Spielleute musizieren auf Mittelaltermärkten oder Metal- wie Folkfestivals und haben in diesen Genres als Band Fuß gefasst. Das Setting mag dem Histotainment zugeordnet sein, der von Geschichte inspirierten Unterhaltung. Die Auseinandersetzung mit den historischen Musikstücken ist jedoch nicht weniger ernsthaft: Instrumente, Sprache, Melodie orientieren sich an den historischen Vorbildern oder werden neu interpretiert, mit Augenzwinkern und einem Twist. Vor welchem Hintergrund und für welches Publikum auch musiziert wird, diese Interpretationsvielfalt hat die Genregrenzen der Alten Musik aufgefächert. In den klassischen Konzertsälen und abseits davon.
Autorin: Barbara Volfing
