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Das Bilderbuch-Oratorium

Joseph Haydns "Jahreszeiten", ewig jung

Lebensweise und abgeklärt in der in jedem Moment von christlicher Lebens- und Weltsicht getragenen Aussage - im Detail gespickt mit tonsetzerischen Tabubrüchen und plastischer Tonmalerei - naive Ohren mit der Frische der Erfindung bezwingend, dabei von kontrapunktischer Eleganz: Joseph Haydns "anderes" Oratorium nach der "Schöpfung", vor 225 Jahren in Wien im heute nicht mehr existierenden Stadtpalais Schwarzenberg uraufgeführt. Wird in der "Schöpfung" Biblisches mit "weltlichen" Vignetten aufgeputzt, dient in den "Jahreszeiten" ein ländlich-bäuerlicher Jahresverlauf mit wiederkehrender Mühsal und raren Freuden zum Beleg dafür, dass Gott alles recht gefügt hat. Die Aufnahmegeschichte der Haydn'schen "Jahreszeiten" beginnt so richtig in den 1960er Jahren, und während anfangs vor allem die "großen Alten" Markierungen setzten - Beecham, Böhm, Karajan, Solti, Dorati, Kubelik -, hat spätestens seit der Jahrtausendwende das Musizieren auf "period instruments" das Regiment übernommen. Bei den Vokalsoli bedeutet das eine Bandbreite von Gundula Janowitz und Ileana Cotrubas bis Genia Kühmeier; von Peter Schreier und Werner Krenn bis Anthony Rolfe Johnson; von Josef Greindl und Hans Sotin bis Christian Gerhaher. Entsprechend der englischen Vorlage, der sich Gottfried van Suiten bei der Texterstellung bediente, hat sich bei den "Jahreszeiten" eine eigene "The-Seasons"-Aufführungstradition herausgebildet; das Werk wurde aber auch auf Italienisch und Tschechisch eingespielt.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel