SUSANNE WINDISCHBAUER
Gedanken für den Tag
Rund um die Schüssel
Br. Thomas Hessler OSB, Leiter des Europaklosters Gut Aich und Künstler, macht sich Gedanken zur Karwoche
3. April 2026, 06:57
Als Kind war der Karfreitag immer der schwierigste Tag für mich in der Vorbereitung auf Ostern. Das strenge Fastengebot, das es zu halten galt, ließ mich den ganzen Tag ans Essen denken.
Einzig das Mittagessen war dann der Höhepunkt des Tages. Wir haben alle aus zwei großen Schüsseln gegessen. Es hat Milchrahmsuppe (natürlich gesalzen, nicht süß) und Kartoffelsterz gegeben. In der einen Schüssel war der Sterz (quasi ein festes Kartoffelpüree). Wir waren neun Personen am Tisch: unser Großvater, die Eltern und wir fünf Geschwister und unser Kindermädchen.
Da konnte sich jeder mit seinem Löffel etwas herausnehmen und damit in die Suppenschüssel fahren, um so den Sterz samt Suppe zu verspeisen. Für uns Kinder war das eine spannende Sache, so zu essen. Unser Großvater, der mit uns am Tisch saß (Geburtsjahrgang 1898), hat uns erzählt, dass sie früher immer so aus Schüsseln gegessen haben. Auch unsere Eltern haben sich noch gut daran erinnert. Für uns Kinder war es aber etwas ganz Besonderes. Die übliche Weise zu essen, war aufgehoben an diesem Tag, am Karfreitag. Und um Auf-Hebung geht es ja in der christlichen Tradition, besonders an diesem Tag.
Das Leben wird auf eine andere Ebene gehoben, wenn ich mich in das Leben Jesu vertiefe. Ich setze mich in Beziehung, wenn ich die Leidensgeschichte Jesu heute höre oder meditiere. Ich lerne, mein Leben auch aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Manches Schwere wird aufgehoben. Dass etwas aufgehoben ist, heißt aber auch: Auch all das Schwere, Harte, Zerbrochene wird aufgehoben (d.h. aufbewahrt). Ich brauche keine Rache üben und das Unrecht wieder mit Unrecht vergelten. Und Auf-Hebung bedeutet auch, dass es sich auflöst. Minus mal minus ergibt plus.
Multiplizieren in diesem Sinne heißt: Wenn ich meine negativen Erfahrungen von verschiedenen Seiten betrachte, mich damit in Beziehung setze, darüber mit einem anderen Menschen rede, dann verwandelt sich das Negative und ich erkenne möglicherweise auch etwas Positives in all dem Negativen. Das ist das Erlösende und Befreiende.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Judith Steenbrink
Vorlage: Georg Philipp Telemann
Album: Silk Baroque
Titel: What about some bells. Für Sheng, Singstimmen und Barockensemble
Solist/Solistin: Wu Wei
Solist/Solistin: Sojeong Im
Leitung: Judith Steenbrink
Leitung: Tineke Steenbrink
Ausführende: Holland Baroque
Länge: 07:43 min
Label: Pentatone PTC 5186800
