Gedanken
Otfried Höffe, Philosoph
"Der Weise wird sich selbst nicht weise nennen." Der Kant- und Aristoteles-Experte Otfried Höffe spricht am heutigen Ostersonntag über die Kunst der Lebensweisheit und die Fähigkeit, sich Heiterkeit und Zuversicht auch in schwierigen Lebenssituationen zu bewahren.
5. April 2026, 09:05
Sich selbst Weisheit zuzubilligen: so unbescheiden ist Otfried Höffe nicht. Im Laufe seines 82-jährigen Lebens hat der Gelehrte zwar hunderte und aberhunderte von Büchern über die großen Menschheitsfragen studiert und ein paar Dutzend selbst geschrieben, aber so töricht, sich selbst als Vorbild in Sachen Weisheit hinzustellen, sei er nicht, betont Otfried Höffe: "Weisheit ist eine Eigenschaft, die man von anderen zugesprochen bekommt. Wer sich selbst für weise hält, ist unbescheiden. Und Unbescheidenheit verträgt sich nicht mit dem Ideal der Lebensweisheit."
In seinem Buch "Die hohe Kunst der Weisheit" befragt Otfried Höffe Klassiker von Konfuzius bis Kant, von Mark Aurel bis Friedrich Nietzsche nach ihren Ansichten und Einsichten zum Thema Besonnenheit, Umsicht und "geglückter Lebensvollzug".
"Unter Weisheit", so Höffe, "verstehen wir eine nicht mehr zu überbietende Form von Wissen und Können." Ein hohes Ideal. Das man aber erlernen kann, davon ist der prominente Philosoph überzeugt: "Der Weise versteht das Leben in all seinen Herausforderungen und Schwierigkeiten auf eine Art zu gestalten, die bewundernswert ist und die wir gern auch für uns selbst erreichen wollen. Dass das nicht leicht ist, liegt auf der Hand, sollte aber niemanden abschrecken, danach zu streben."
Service
Otfried Höffe: "Die hohe Kunst der Weisheit - Kleine Philosophie der Lebensklugheit", C. H. Beck, München, 236 Seiten, ISBN: 978-3-406-83102-7
Otfried Höffe: "Wozu noch Tugenden? Ein Versuch über Kardinaltugenden und Laster", de Gruyter, Berlin, 158 Seiten, ISBN: 978-3-11-156719-8
