Kampfdrohnen

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Punkt eins

Krieg der Maschinen

Wie Drohnen die Gefechtsfelder der Welt prägen. Gäste: Dr. Ulrike Franke, European Council on Foreign Relations (ECFR) & ObstdG Dr. Markus Reisner, PhD, Theresianische Militärakademie. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Zwei iranische Drohnen des Typs Shahed-136 schießen über den irakischen Himmel, gefolgt von einem US-amerikanischen F-15-Kampfflugzeug. Der Jet umkreist die Flugbahn der Drohnen, versucht sie abzuschießen - und scheitert, die Drohnen entkommen. So zumindest will es ein Videoclip darstellen, der sich letzte Woche aus iranischen Quellen über das Internet verbreitete. Die Echtheit konnte nicht verifiziert werden - aber die intendierte Botschaft ist klar: "30.000-Dollar-Drohne schlägt 30-Millionen-Jet." Und solche Aussagen treffen einen Nerv: Drohnen, also unbemannte, meist fliegende Maschinen, haben den Krieg im 21. Jahrhundert wesentlich verändert.

Die Shahed ist eine iranische Entwicklung, die unter anderem auch von Russland gegen die Ukraine eingesetzt wird: Vor allem als Kamikazewaffe und um die Flugabwehrsysteme des Gegners zu überlasten. Ein Nachbau ist neuerdings auch bei den USA im Einsatz. Drohnen erfüllen im militärischen Bereich vielfältige Funktionen: Zur Aufklärung und Überwachung eingesetzt, tragen sie wesentlich zur Übersicht über die Lage, zur Planung von Truppenbewegungen und der Koordination zwischen Truppenteilen bei. Als Waffen dienen sie zum Angriff, zur Verteidigung, zur Ablenkung oder zur Zielerfassung, und sogar für logistische Aufgaben können sie verwendet werden. Praktisch im Tagesrhythmus erscheinen Bilder und Videos von ukrainischen Drohnenmissionen auf Social Media. Das Modern War Institute der US-amerikanischen Militärakademie in West Point schätzt, dass ukrainische Drohnenangriffe für rund 70 Prozent der russischen Truppenverluste und bis zu 90 Prozent der Materialverluste verantwortlich sind.

Die Produktion läuft auf Hochtouren: Das 2022 gegründete ukrainische Unternehmen TAF Industries stellt nach eigenen Angaben mittlerweile jeden Monat 100.000 unbemannte Angriffssysteme her. Die Komponenten - Motoren, Kameras, Chips und Rotoren - sind großteils importiert, zumeist aus China. Seit 2024 betreibt die Firma auch eine Forschungseinrichtung. Gründer Oleksandr Yakovenko stieg damit auch in einen zentralen Zukunftsmarkt der weltweiten Rüstungsindustrie ein - mit durchaus viel Selbstbewusstsein. Als einer der Platzhirsche, der Chef des mit rund 60 Milliarden Euro bewerteten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, vor kurzem abschätzig erklärte, ukrainische Drohnen seien nicht viel mehr als "von Hausfrauen hergestellte Lego-Spielzeuge", konterte Yakovenko mit der Diagnose, dass "das europäische Verteidigungsestablishment noch immer das Wesen moderner Kriegsführung verkennt".

Tatsächlich fand das amerikanische Magazin "The Atlantic" noch Ende März keinerlei Anzeichen für eine angemessene Reaktion der westlichen Waffenhersteller auf die "Revolution in der Militärtechnologie". Stattdessen setze man weiterhin vorwiegend auf klassische Artillerie und Panzer, obwohl diese doch gerade in der Ukraine aufgemischt würden "wie Ritterrüstungen nach Erfindung der Muskete". Andererseits investieren Europas Armeen in letzter Zeit deutlich verstärkt in Drohnenabwehr, so auch das österreichische Bundesheer. Denn auch auf EU-Boden gibt es immer wieder Drohnenalarm: Zuletzt wieder in Litauen, zuvor in Rumänien oder Polen. Die Sicherheitsrisiken auf zivilen Flughäfen und Flugrouten sind durch die neuen, gefährlichen Fluggeräte generell deutlich erhöht: Der Chef der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bezeichnete die zunehmende Verbreitung von Drohnen zuletzt als "wachsende Gefahr".

Wo, wie und in welchem Umfang sind Drohnen im militärischen Einsatz, und was hat das für Auswirkungen auf taktische Situationen und gesamte Militärstrategien? Wie funktioniert die Produktion, welche Neuentwicklungen gibt es, und wie stellt sich die Welt auf diese neue Art der Kriegsführung ein? Zu Gast bei Xaver Forthuber sind Ulrike Franke, die beim Europäischen Rat für Auswärtige Beziehungen (ECFR) in Paris unter anderem auf die Zukunft der Militärtechnologie spezialisiert ist, sowie Markus Reisner, Leiter des Instituts für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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  • Xaver Forthuber