El Nino (2016) kracht an die Küste Kaliforniens

APA-IMAGES/AFP/MARK RALSTON

Punkt eins

Das Jahr des "Super El Niño"

Lädt sich im Pazifik gerade der Turbo fürs Extremwetter auf? Gast: Dr. Michael Mayer, Institut für Meteorologie und Geophysik, Universität Wien. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Wenn sich am anderen Ende der Welt der Ozean überdurchschnittlich erwärmt, schauen Meteorolog:innen auf der ganzen Welt genau hin. Grundsätzlich ist der Ostpazifik vor Südamerika deutlich kühler als der Westen: kalte, nährstoffreiche Meeresströmungen steigen dort aus der Tiefe auf und versorgen reichhaltige Ökosysteme. Die Temperaturunterschiede wirken auch auf die Atmosphäre: Die entstehenden Unterschiede im Luftdruck erzeugen wiederum auf der anderen Seite des Pazifiks, in Südostasien, regenreiche Tiefdruckgebiete.

Alle paar Jahre kann sich das ändern: In El Niño-Jahren werden die Passatwinde schwächer, und dadurch bleibt die Durchmischung der Wasserschichten Großteils aus. Direkt vor der Küste Perus beobachten Fischer:innen das bereits seit Jahrhunderten: Unter anderem finden die Fische dann weniger Nahrung, und es kann zu Korallenbleichen kommen. Aber El Niño beeinflusst auch wiederum die Atmosphäre; diese komplexe Wechselwirkung wird El Niño-Southern Oscillation (ENSO) genannt. Und ihre Ausschläge haben globale Folgen. Von Indonesien über Ostafrika bis Nordamerika ist mit erheblichen Dürren zu rechnen. Weltweit gilt El Niño als "Verstärker" für Extremwetterereignisse. Auch Europa könnte von den verschobenen Tiefdruckgebieten etwas zu spüren bekommen, erheblicher sind aber wahrscheinlich die indirekten Effekte - etwa durch die zu befürchtenden Einbrüche in der weltweiten Lebensmittelproduktion.

Dass 2026 ein El Niño-Jahr wird, gilt als relativ sicher. Inzwischen deuten die Modelle sogar auf einen von den Medien so genannten "Super-El Niño" hin. Die US-Wetterbehörde NOAA geht derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln von einem "sehr starken" Ereignis aus. Grund zur Besorgnis für eine Welt, in der allein die Effekte des menschengemachten Klimawandels schon jedes Jahr unangenehmer werden.

Weil sichere Vorhersagen für das globale Wetter im Frühling generell und für El Niño im Besonderen als notorisch schwierig gelten, kristallisiert sich das wahrscheinliche Ausmaß erst jetzt langsam heraus. Der Meteorologe Michael Mayer, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Phänomen beschäftigt, ist diese Woche beim europäischen Wetterzentrum, wo globale Daten zu umfassenden, komplexen Prognosen zusammenfließen. Von dort ist er mit Xaver Forthuber im Punkt eins-Studio verbunden. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

Sendereihe

Gestaltung

  • Xaver Forthuber